Skandinaviens Hauptstädte: Oslo

Skandinaviens Hauptstädte: die vier Schönen im Norden

Ihnen eilt der Ruf voraus, teuer zu sein. Vom unbeständigen Wetter ganz zu schweigen. Und doch sind Skandinaviens Hauptstädte wahre Besuchermagneten. Sie locken mit maritimem Flair, reichlich Kultur und einer gesunden Mischung aus Tradition und Moderne. Nord bei Nordost hat alle vier besucht.

Kopenhagen – die stylische

Skandinaviens Hauptstädte: Kopenhagen

Der Nyhavn in Kopenhagen ist eine Touristenmeile.

Schickes und stylisches Design scheint generell ein Ding der Skandinavier zu sein. In Kopenhagens Zentrum sieht man das vielleicht am besten. Nicht nur in den teuren Läden entlang der Einkaufsmeile Stroget. Gegenüber der Altstadt mit dem Postkartenidyll des trubeligen Nyhavn recken sich auf dem ehemaligen Hafengelände morderne Bauten gen Himmel empor. Besonders eindrucksvoll ist die futuristische Architektur der Königlichen Oper.

Wohin? Am besten vom Rathaus den Stroget über den historischen Gammeltorv und Kongens Nytorv bis zum Nyhavn gehen und dabei auch die Straßen links und rechts mit einbeziehen. Rechter Hand liegen Schloss Christiansborg und die alte Börse. Vom Nyhavn ist es nicht mehr weit zur Oper (über die Innere Hafenbrücke) und zum Schloss Amalienborg sowie zur Alexander-Newski-Kirche. An der Frederiks-Kirche vorbei kann man dann noch zum Schloss Rosenborg laufen. Am Nyhavn starten die Schiffe zur lohnenswerten Hafenrundfahrt. Wer unbedingt die Kleine Meerjungfrau besuchen möchte, folgt vom Nyhavn der Ausschilderung. Gut 20 Minuten Fußweg sind es. Sie ist allerdings ständig von knipsenden Touristen umringt. Dann lieber während der Hafenrundfahrt einen Blick vom Wasser auf die Nixe erhaschen.

Und sonst so? Hinüber in den Stadteil Amager (von Kongens Nytorv fünf Stationen mit der Metro) und dort an den Stadtstrand. Der knapp fünf Kilometer lange und sehr breite Strand bietet viel Platz zum Sonnen, Spielen, Schwimmen und den besten Blick hinüber nach Malmö in Schweden sowie die imposante Öresundbrücke.

Stockholm – die historische

Ostsee Rundreise: Stockolm

Lauschig: Brända Tomten (Gamla Stan) in Stockholm

Auf 14 Inseln am Übergang des Mälarsees zur Ostsee gelegen, ist in Stockholm das Wasser allgegenwärtig. Das historische Zentrum der schwedischen Hauptstadt liegt auf der Insel Stadsholmen und heißt Gamla Stan. Hier schmiegen sich die schicken Giebelhäuser aus der Hansezeit eng aneinander. Dazwischen bummelt man durch schmale Kopfsteinpflastergassen, deren Verlauf seit dem Mittelalter unverändert ist.

Wohin? Einfach durch die Gassen Gamla Stans mit ihren Läden und Kneipen treiben lassen. Dann vorbei am Königlichen Stadtschloss zum Reichstag auf der Insel Helgeandsholmen. Weiter über den Gustav-Adolfs-Platz, vorbei an der Königlichen Oper, durch den Kungsträdgarden und den Berzelii-Park. Von dort geht es entlang des noblen Strandvägen zur Halbinsel Djurgarden. Dort gibt es nicht nur einen großen Park, um sich von dem Stadtrundgang zu erholen. Es gibt jede Menge Museen: Unter anderem das Abba-Museum, das Nordische Museum, das Freilichtmuseum Skansen und – mein Favorit – das Vasa Museum. Hier kann man das 1628 gesunkene und 1961 geborgene gleichnamige Kriegsschiff bestaunen.

Und sonst so? Den Turm des Stadshusets besteigen. Die Aussichtsplattform ist in 73 Metern Höhe. Überflüssig zu erwähnen, dass man von dort einen einzigartigen Blick über Stockholm hat. Das Stadshuset ist der Sitz des Stadtparlaments. Es liegt auf der Insel Kungsholmen in Sichtweite von Gamla Stan. Öffnungszeiten beachten!

Zwischenfrage: Welche der vier skandinavischen Metropolen ist eigentlich die größte? Und welche drei der vier Citys haben ungefähr die gleiche Einwohnerzahl? Mit knapp 936.000 Einwohnern ist Stockholm am größten. Helsinki (635.000), Oslo (609.000) und Kopenhagen (602.500) folgen. Flächemäßig liegt Helsinki vorn (715 km²). Oslo hat 454 km², Stockholm 187 km² und Kopenhagen 86 km².

Helsinki – die entspannte

Skandinaviens Hauptstädte: Helsinki

Blick auf Helsinkis Südhafen mit dem Dom.

Die finnische Metroploe ist die jüngste der vier Schönen und seit 1812 Hauptstadt. Schweden und Russen hatten hier lange das Sagen und das Stadtbild spiegelt das wider. Hier stehen evangelischer Dom und russisch-orthodoxe Kathedrale einträchtig beieinander. Zu ihren Füßen liegt der Südhafen, wo sich die Einheimischen selbst von den quirligsten Touristenmassen nicht verrückt machen lassen.

Wohin? Erstmal zum Senatsplatz, dem Herzen der Stadt. Hier steht inmitten eines klassizistischen Ensembles der Dom und thront über allem. Von dort geht es zur in Sichtweite stehenden Uspenski Kathedrale und weiter zum Südhafen mit dem Marktplatz, dessen orangfarbene Zelte weithin leuchten. An der Westseite des Hafens sollte man unbedingt der alten Markthalle mit ihren finnischen Spezialitäten einen Besuch abstatten. Danach gehts rauf auf den Observatoriumshügel – einem Park – von dem man einen herrlichen Blick auf Hafen, Markt, Dom und das Olympiaterminal von 1952 hat. Anschließend sollte man noch den Prachtboulevard Esplanadi entlang flanieren.

Und sonst so? Rauf auf die Fähre und ab zur vorgelagerten Insel Suomenlinna – der „Festung der Finnen“ – wie der Inselname übersetzt heißt. Die Anlage gehört zu den weltweit am besten erhaltenen Festungen und erstreckt sich über fünf Inseln in der Ostsee vor Helsinki. Das im 18. und 19. Jahrhundert erbaute „Gibraltar des Nordens“, wie Suomenlinna auch genannt wird, beherbergt mehrere Museen, hat eine eigene Kirche und ein historisches Trockendock. Außerdem bietet das weitläufige Areal diverse gastronomische Einrichtungen für den durstigen und hungrigen Besucher. Die Schiffe starten direkt am Südhafen und wer ein Tagesticket für Helsinkis ÖPNV hat, muss für die Fähre nichts extra zahlen.

Apropos Alter: Helsinki ist, wie schon erwähnt, die jüngste der vier Städte. 1550 auf Befehl des schwedischen Königs Gustav I. Wasa gegründet. Am ältesten ist Oslo. Auch wenn das genaue Jahr nicht bekannt ist, so feierte man 2000 den 1000. Geburtstag, weil bei Ausgrabungen christliche Gräber aus der Zeit um das Jahr 1000 gefunden wurden. Kopenhagen erhielt 1254 Stadtrecht. Das ist verbürgt. Stockholm wird 1252 erstmals in einem Dokument erwähnt. Aber erst 1270 als Stadt bezeichnet.

Oslo – die teure

Skandinaviens Hauptstädte: Oslo

Die Hafenpromende von Aker Brygge. Die zwei Türme in Hintergrund gehören zum Rathaus.

Eingebettet zwischen Wasser und Bergen hat sich Norwegens Kapitale rund um das Nordufer des Oslofjords ausgestreckt. Die Stadt boomt – das sieht man überall. Besonders an der Promenade von Aker Brygge, wo den teils absurden norwegischen Preisen noch eins drauf gesetzt wird. Es wird an allen Ecken und Enden gebaut. Kräne prägen die Skyline. Darunter, in den Straßen der Stadt, erkennt man, wie alt und neu harmonieren.

Wohin? Natürlich zum Königlichen Schloss. Es ist ein idealer Ausgangspunkt, um Oslo zu entdecken. Den Boulevard Karls Johans Gate geht es dann hinunter bis zum Stortinget und von dort Richtung Aker Brygge zum Hafen. Vorbei am protzigen Rathaus  – wo alljährlich der Friedensnobelpreis vergeben wird. Von der schicken Promenade mit ihren Shops und Restaurants blickt man hinüber zur alten Festung Akershus – dem nächsten Ziel. Anschließend geht es zum Opernhaus, das wie eine Eisscholle nur eine Bucht entfernt am Ufer liegt und auf dessen Dach man gehen kann. Danach zurück Richtung Karls Johans Gate und vorbei am Dom zum Youngstorget. Um diesen Platz herum gibt es zahlreiche Kneipen, in denen man sich vom Stadtrundgang ausruhen kann.

Und sonst so? Einen Abstecher zur Halbinsel Bygdoy machen. Dort warten mehrere Museen auf Besucher. Highlights sind sicher das Wikingerschiffsmuseum und das Kon-Tiki-Museum. Erstes zeigt drei restaurierte Wikingerschiffe, in zweitem dreht sich alles um die Expeditionen von Thor Heyerdahl. Vom Hafen Aker Brygge geht eine Fähre zur Halbinsel. Achtet besonders in der Nebensaison auf Fahr- und Öffnungszeiten.

Immer eine Reise wert: Skandinaviens Hauptstädte

Ihr seht, Skandinaviens Hauptstädte sind allesamt eine Reise wert. Allein schon ihrer Lage am Meer wegen. So sind zwei Drittel der Fläche Helsinkis Wasser. Kulturell, geschichtlich, kulinarisch haben sie jede Menge zu bieten. Ob Erholungssuchender, Bildungsbürger oder Partypeople – ein jeder findet dort etwas für sich. Je nach Zeit, Interessen und Geldbeutel. Zu einem ganz besonderen Erlebnis wird der Trip im Sommer zur Zeit der weißen Nächte nach Stockholm, Helsinki und Oslo. Wenn an den langen Tagen die Sonne nur kurz untergeht, entfaltet sich hier ein ganz spezieller Zauber. Selbst die sonst so kühlen Skandinavier scheinen dann so etwas wie Temperament zu entwickeln. Und die vier Schönen des Nordens leuchten noch schöner.

Angeberwissen: Im Ranking der nördlichsten Hauptstädte der Welt liegt Helsinki auf Platz zwei, Oslo auf drei und Stockholm auf fünf. Kopenhagen schafft es nur auf Rang acht. Die anderen Platzierungen in den Top Ten lauten: Platz 1: Reykyavik, Platz 4: Tallinn, Platz 6: Riga, Platz 7: Moskau, Platz 9: Vilnius, Platz 10: Minsk.

Weitere Tipps und Infos zu Oslo, Helsinki, Stockholm und Kopenhagen

Geld

Zum Thema „teuer“. Ja, Skandinaviens Hauptstädte sind teuer. Alle vier. Aber gar nicht so viel teurer als deutsche Großstädte. Ganz zu schweigen im Vergleich zu London oder Paris. Die Preise für ein Essen im Restaurant starten so bei umgerechnet 15 Euro. Der halbe Liter Bier kostet circa 5 bis 6 Euro. Eine Ausnahme macht Oslo, wo man jeweils noch mal gut zwei bis drei Euro mehr drauflegen muss. Eine echte Alternative zu den Restaurants sind Marktstände, kleine Imbisse oder Food-Trucks. Mittags bieten viele Gaststätten ein günstiges Tagesgericht. Außer in Finnland, wo man mit dem Euro zahlt, haben alle anderen Staaten ihre Kronen. Der Umtauschkurs für 1 Euro ist: 9,41 Norwegische Kronen, 9,65 Schwedische Kronen und 7,44 Dänische Kronen (Stand Oktober 2017)

Gastronomie-Tipps

Hier kommen ein paar Läden, in denen ich gut gespeist und getrunken habe.

Kopenhagen: von Fressen. Deutsche Biere, sehr gute Burger, Happy Hour für Cocktails. (Vesterbrogade 124 im Stadtteil Frederiksberg)

Helsinki: Treffi. Burger, Steaks, Salate und leckere Desserts. Große Auswahl an Biersorten. Sehr angenehme Atmosphäre und so gut wie keine Touristen. (Hiihtomäentie 14, direkt bei der Metro-Station Herttoniemi)

Oslo: Politikern’s. Salate, Pizza, Sandwichs, Nudelgerichte, Omeletts und Burger. Lockere Stimmung bei norwegischem Bier. Bilder von Politikern aller Dekaden zieren die Wände. So habe ich zum ersten Mal unter einem Foto von Mutti Merkel gegessen und getrunken. (Youngstorget 6, direkt im Zentrum)

Anreise

Am schnellsten und einfachsten natürlich per Flieger. Nach Oslo empfehle ich aber unbedingt die Anreise mit der Fähre von Kiel. Ja – es ist teurer und dauert länger als mit dem Flugzeug. Es ist aber ein Erlebnis, das man nicht verpassen sollte. 20 Stunden dauert die Überfahrt. Man fährt nachmittags um 14 Uhr los und kommt morgens 10 Uhr entspannt und ausgeschlafen an. Achtung: Norwegen ist kein EU-Mitglied. Beachtet die entsprechenden Einreisebestimmungen (Dokumente, Zollbestimmungen).

Auch nach Helsinki kann man von Travemünde mit der Fähre fahren. Dauert aber noch länger – knapp 30 Stunden. Nach Stockholm gibt es keine Fährverbindung von Deutschland. Richtung Kopenhagen geht es entweder von Rostock nach Gedser oder von Putgarten nach Rodby. Oder man wählt den längeren Landweg über Flensburg.

Unterkunft

Hier kann ich euch leider wenig helfen. In Kopenhagen, Stockholm und Helsinki war ich im Rahmen meiner Ostsee-Rundreise mit dem Camper und habe auf Campingplätzen übernachtet. In Oslo schlief ich im Hotel Scandic Karl Johan. Das liegt direkt in der City und kostete pro Nacht 179 Euro inklusive Frühstück. Für diese Lage in Oslo sehr günstig. Hier noch meine Campingplatz-Empehlungen für Stockholm und Helsinki. In Kopenhagen habe ich privat bei Freunden übernachtet.

Stockholm: City Camp Stockholm (Flatenbadets Camping), Skogsväg 30, 12830 Skarpnäck. 28 Euro/Nacht. Außerhalb im Stadtteil Skarpnäck am See Flaten. Ins Zentrum fährt der Bus (Linie 816, einmal umsteigen). Oder wie ich mit dem Fahrrad zur Metro (Skarpnäck oder Bargamossen) und dann direkt bis Gamla Stan.

Helsinki: Rastilas Camping, Karavaanikatu 4, 00980 Helsinki. 27 Euro/Nacht. Im Stadteil Vuosaari am Rande der Stadt. Metro direkt vor der Tür – 25 Minuten bis ins Zentrum.

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Autor: Lars Schmidt

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