Ostsee Rundreise Archipelago Trail

Archipelago Trail: Inselhüpfen auf Finnisch

Acht Fähren, 15 Brücken, 23 Inseln: Das ist der Archipelago Trail, die Große Schärenringstraße oder auf Finnisch ganz einfach Saariston Rengastie. Er führt mich während meiner Ostsee-Rundreise über und durch die Inselwelt des finnischen Schärenmeers. Durch den größten Archipel der Erde. Es ist eine ganz besondere Autofahrt.

Schärengarten Finnland

Inseln bis zum Horizont im Schärengarten Finnlands.

Die Zahl der Inseln, Inselchen und Felsen vor der Südwestküste Finnlands liegt irgendwo zwischen 20.000 und 50.000. Wie viele es genau sind, darüber streiten die Experten. Denn ab wann ist ein aus dem Wasser ragender Felsen eine Insel? Bewohnt sind sowieso nur die wenigsten Eilande. Rund 33.000 Insulaner verteilen sich über das Gebiet zwischen Uusikaupunki im Nordwesten und Hanko im Südosten.

Entsprechend einsam, abgeschieden und ruhig verläuft das Leben entlang des Archipelago Trails. Nur von Juni bis August ist der komplette Rundweg passierbar. Dann kommen im Takt der Fähren Touristen auf die Inseln. Radler, Angler, Wassersportler und Wanderer. Von Jahr zu Jahr werden es mehr. Aber vom Massentourismus ist man zum Glück noch weit entfernt.

Der Archipelago Trail an einem Tag

Aufgrund meines Zeitplans während meiner Ostsee-Rundreise bleibt mir für die Große Schärenringstraße nur ein Tag. Aber entgegen meinen Befürchtungen, die Tour könne in eine Gehetze ausarten, wird es ein entspannter Tag. Offiziell beginnt und endet der Archipelago Trail in Turku. Ich starte etwas weiter nördlich in Uusikaupunki und erreiche den Trail in Taivassalo, von wo es zum Fähranleger von Heponiemi geht. Vorbei an verstreut liegende Gehöften und Häusern. Ortsbezeichnungen stehen hier nicht unbedingt für ein Dorf mit einem Ortskern wie man es erwartet. Das lerne ich schnell. Auf den Schären können sie auch eine Gemeinde oder eine Insel meinen. Das hatte mich schon bei der Reiseplanung ständig durcheinander gebracht. Und so warte ich noch immer darauf, dass der Ort Heponiemi nun endlich kommt, als ich plötzlich einen kleinen Hafen erreiche und nur noch Wasser vor mir sehe.

Bewohner und Versorger haben auf den Archipelago-Fähren Vorrang

Archipelago Trail

„Achtung Fähre“, sagt das Navi.

Die Fähre hinüber nach Kannvik auf der Insel Jumo fährt nach einem festen Fahrplan und benötigt für die Strecke eine halbe Stunde. Die kürzeste Fährfahrt auf der Ringstraße dauert fünf Minuten. Die längste eine Stunde. Die Kurzstreckenfähren pendeln, die mit den längeren Fahrzeiten haben einen Fahrplan. An ihren Anlegern gibt es übrigens eine „Priority“-Spur für die Bewohner und Versorgungsfahrzeuge der Inseln.

Bis zur Abfahrt ist noch Zeit. Während ich mir im Camper einen Kaffee koche, trudeln nach und nach einige Radfahrer und weitere Autos ein. Bei Radtouristen ist der Trail eine beliebte Route. Es gibt kaum Steigungen, nur wenig Autoverkehr und glatte Pisten. Nur heute haben sie denkbar ungünstiges Radlerwetter. Der Wind weht mit einer steifen Brise und immer wieder gehen Regenschauer runter. 13 Grad zeigt mein Thermometer. Und das am 21. Juni. Aber so ist das eben an der Ostsee. Schön-Wetter-Garantie gibt es nicht.

Sieben Fähren sind gratis, eine kostet

Schild "Schärenringstraße"

Folgen Sie diesen Schildern.

Auf Jumo angekommen, geht es schon nach wenigen Kilometern durch Wiesen, Felder und Wälder auf die nächste Fähre. Jetzt bin ich auf Iniö. Durchquere auch diese Insel in gemächlichem Tempo und erreiche den nächsten Hafen. Hier startet die mit einer Stunde längste Überfahrt. Und die einzige kostenpflichtige. Alle anderen Passagen sind kostenlos, weil sie laut finnischem Gesetz als Verlängerung bzw. Fortsetzung einer Straße gelten, in dem sie Verbindungen über Flüsse oder Meerengen herstellen.

Doch diesmal muss ich eben die Geldbörse zücken. 75 Euro kostet mich die Überfahrt. Nicht ganz billig, wenn ich das mit den Überfahrten von Rostock nach Gedser oder von Mariehamn nach Turku vergleiche. Als die Fähre anlandet, macht ein Mitglied der Crew in einem kleinen Wartehäuschen den Zahlmeister. Wie überall in Finnland kann ich auch hier bequem mit der EC-Karte zahlen. Vor mir rollt ein finnisches Wohnmobil mit einem Saunaanhänger aufs Schiff. Ohne Sauna geht in diesem Lande gar nichts.

Deutsch-finnische Begegnung

"MS Antonia"

Gegen Wind, Wellen und Strömung: „MS Antonia“.

In Anbetracht der Länge der Passage und der für die Schärenlandschaft teils recht offenen See, ist die „MS Antonia“ ein ziemlich kleines Schiff. Zwei Anläufe brauchte sie bei Wind und Wellen, bis sie am Anleger von Iniö festmachen konnte. Jetzt stampft und schaukelt sie durch das aufgepeitschte Wasser der Ostsee zwischen Inselchen und Felsen. Ich klettere die schmale Treppe zu dem kleinen Gastraum empor und kaufe mir einen Becher Kaffee. Drinnen kann man kaum treten, weil gut ein Dutzend Radfahrer den kompletten Raum ausfüllen.

Zurück im Auto sehe ich, wie ein junges Radler-Pärchen auf dem zugigen Deck Schutz vor dem Wind sucht. Für sie war im Gastraum wohl kein Platz mehr. Ich bitte sie zum Aufwärmen in meinen Camper und wir erzählen uns gegenseitig von unseren Reisen. Kaisa und Thomas aus Turku haben schon halb Europa mit dem Rad erkundet. Nun fahren sie den Archipelago Trail vor Turkus Toren ab. „Man ist sich oftmals gar nicht bewusst, was für wunderschöne Plätze man direkt vor seiner Haustür hat“, sagt Thomas über die Schärenringstraße. Recht hat er. Auf der nächsten Insel angekommen, trennen sich unsere Wege schon wieder. Sie wollen weiter um ihr Tagesziel zu erreichen. Ich mache erst mal ein Päuschen auf Mossala.

Fährmann hol‘ über

Meerenge zwischen Mossla und Björkö.

Blick über die Meerenge zwischen Mossla und Björkö mit dem Fähranleger (rechts).

Denn das Wetter wird besser. Die Sonne kommt raus. Ich fotografiere und entdecke nahe des Fähranlegers einen Aussichtsturm im Wald. Er gehört zum Ferienressort Mossala Island und bietet einen wunderschönen Ausblick über die Insellandschaft. Am anderen Ende des kleinen Eilands, am nächsten Fährhafen, schweift der Blick dann hinüber zu einem Ufer mit leuchtend roten Bootsschuppen.

Mit Fähre Nummer vier – auf der ich ganz allein übergesetzt werde – geht es zur Insel Björkö und kurz darauf mit Fähre Nummer fünf nach Houtskär. Hier ist mal wieder ein etwas längerer Straßenabschnitt zu absolvieren und es gibt gleich mehrere kleine Örtchen. In Kittuis heißt es dann erneut: Warten auf den Fährmann. Hier wird nach Fahrplan gependelt. Ich nutze die Zeit und klettere die Felsen am Ufer entlang, bis ich ein schönes Plätzchen finde. Ein Stückchen weiter, auf einem Steg, angelt jemand. Die Sonne strahlt jetzt vom makellos, blauen Himmel und lässt mit ihrem Licht die Wellen glitzern. Jetzt bloß nicht die Zeit vergessen.

Wo Große und Kleine Schärenringstraße zusammentreffen

Archipelago Trail

Und am Ende des Wassers steht ein Haus im Wald…

Next stop Galtby auf der Insel Kyrklandet und weiter mit der siebten Fähre auf die Insel Storlandet nach Nagu. Wenn ich frech wäre, würde ich sagen: Wieder in der Zivilisation. Denn seit meinem Start auf dem Archipelago Trail ist Nagu der erste Ort, der wieder eine Tankstelle und einen Geldautomaten hat. Im Vergleich zum ersten Abschnitt der Schärenringstraße ist spätestens seit Kyrklandet auch etwas mehr los. Die Inseln werden größer und entsprechend sind auch ein paar Menschen mehr unterwegs.

Fährt man nur die kleine Schärenringstraße z.B. von Turku gegen den Uhrzeigersinn, trifft man in Nagu auf den großen Trail. Die kleine Schärenringstraße führt in diesem Fall von Turku über Naantali nach Hanka, von dort per Fähre nach Nagu und weiter über Pargas zurück nach Turku.

Gegen 20 Uhr erreiche ich die letzte Fähre des Archipelago Trails. Sie bringt mich von Nagu nach Pargas, wo ich etwa eine Stunde und weitere Brücken und Inseln später mein Etappenziel erreiche: den Campingplatz Solliden.

Wind und Wellen, Licht und Luft

Archipelago Trail

Sind das noch Felsen oder ist das schon eine Insel?

Zwölf Stunden war ich seit Uusikaupunki insgesamt unterwegs. Doch durch die vielen Fähren, die zum Teil dadurch verbundenen Wartezeiten, meine Pausen und die Reisegeschwindigkeit von höchstens 60 km/h war es eine entspannte Tour. Reine Straßenkilometer waren es nur 142. Zeit für ausgiebige Besichtigungen blieb mir auf der Tagestour aber leider nicht. Mir ging es bei diesem Besuch der finnischen Schären erst einmal darum, den Archipelago Trail abzufahren und mich von der Landschaft und dem Wechselspiel zwischen Wasser und Land inspirieren zu lassen. Um die historischen Kirchen, Museen und Ausstellungen, kleinen Kunsthandwerkbetriebe oder Leuchttürme zu besuchen, werde ich noch einmal wiederkommen und länger bleiben müssen. Dennoch zählt der Trail schon jetzt zu den schönsten Routen, die ich gefahren bin. Und ich habe eine Menge gesehen: Inseln, Inseln und nochmal Inseln.

Informationen zum Archipelago Trail

Houtskär Archipelago Trail

Houtskär liegt so ziemlich in der Mitte des Trails und ist tatsächlich nur 201 km Luftlinie von Stockholm entfernt. Abo ist der schwedische Name Turkus.

Befahrbar ist der Archipelago Trail im und gegen den Uhrzeigersinn. Mit Turku als Start- und Zielort sind es ungefähr 250 Kilometer. Die komplette Rundfahrt ist nur während der Sommermonate von Juni bis August möglich. Bei den nach festen Fahrplänen verkehrenden Fähren vorher unbedingt auf die Abfahrzeiten achten. Fahrpläne unter finferries.fi. Und nicht von den Ortsbezeichnungen verwirren lassen. Bei meiner Auflistung benennt der erste Name den Hafen, der zweite die Gemeinde bzw. Insel zu der der Hafen gehört. So sind die Fähren auf dem Trail und im Fahrplan auch benannt. Ich habe in meinem Bericht stets die schwedischen Ortsnamen verwendet, da diese Region überwiegend schwedischsprachig ist. Die Ausschilderung auf der Ringstraße ist zweisprachig. Vor der Tour checken, ob genug Sprit im Tank und Geld im Portemonnaie ist. Damit es kein böses Erwachen auf einer der abgelegenen Inseln gibt.

Schaut euch mein kurzes Video vom Archipelago Trail an:

 

Die Fähren im Detail, in der Reihenfolge meiner Tour (Karte am Ende des Artikels):

Heponiemi / Kustavi nach Kannvik / Iniö (Dauer ca. 30 Minuten, nach Fahrplan)

Jumo/ Iniö nach Skagen / Iniö (Dauer ca. 10 Minuten, pendelt)

Dalen / Iniö nach Mossala / Houtskär (Dauer ca. 1 Stunde, nach Fahrplan, kostenpflichtig: Fußgänger 10, Fahrrad 15, PKW 40, Wohnmobil 75 Euro)

Mossala / Houtskär nach Björkö / Houtskär (Dauer ca. 10 Minuten, pendelt)

Kivimo / Houtskär nach Roslax / Houtskär (Dauer ca. 5 Minuten, pendelt)

Kittuis / Houtskär nach Galtby / Korpo (Dauer ca. 40 Minuten, nach Fahrplan)

Retainen / Korpo – Pärnäs / Nagu (Dauer ca. 10 Minuten, nach Fahrplan)

Prostvik / Nagu – Lillmälü / Pargas (Dauer ca. 15 min, pendelt bis 21 Uhr, danach Fahrplan)

Unterkünfte:

Es gibt mehrere Bed & Breakfasts, kleinere Hotels, Hütten und Campingplätze. Einen Überblick bekommt man hier: www.saaristonrengastie.fi/en/

In der Hauptsaison empfiehlt es sich zu reservieren.

Ich habe kurz vor dem Ende des Trails auf dem Solliden Campingplatz, Aurinkoranta 7, 21600 Pargas / Parainen für 19 Euro übernachtet. Er liegt auf der Insel Älön nahe der Stadt Pargas (Parainen ist der finnische Name) circa 25 Kilometer südlich von Turku. Ziemlich hügeliges Areal in einem Kiefernwald am Ufer der Ostsee. Zum Wasser führt eine Treppe hinunter. Kleine Badestelle. Rezeption mit Shop und Café.

Den Wohnmobilstellplatz des Mossala Island Ressorts habe ich mir unterwegs angeschaut. Der Platz ist schön gelegen und top gepflegt aber auf einer nahezu baum- und schattenlosen Fläche. Mehr Parkplatz als Campingplatz.

Meine Route auf dem Archipelago Trail:

Die markierten Anfangs- und Endpunkte Taivassalo und Kaarina dienen nur der groben Orientierung, weil sie auf dem Festland liegen. Alles dazwischen sind Inseln.

Große Schärenringstraße

Die Große Schärenringstraße auf der Karte. Für die meisten ist Turku Start- und Zielort. (Quelle: Google Maps)

 

 

 

 

 

 

 

Mehr zur Ostsee-Rundreise von Nord bei Nordost:

Aland – die Entdeckung einer neuen Welt

Von Kopenhagen bis Helsinki – die Fotogalerie

Autor: Lars Schmidt

KOMMENTARE

nordicfamily

Wow, das ist ja auch eine tolle Inspiration für die nordicfamily. Wir waren diesen Sommer „nur“ auf den Alandinseln, Der Archipelago Trail klingt wirklich interessant. Danke dafür:) Viele Grüße von Geertje von der nordicfamily

Sabine

Lieber Lars, vielen Dank für diese tolle Doku! Wie waren im August 2018 auf der Schärenringstraße unterwegs und deine Infos waren sehr hilfreich. Liebe Grüße aus Österreich von Sabine und Reini

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