Die Silhouette von Stralsund.

Zehn Tipps für Stralsund-Besucher

Warum immer in die Ferne schweifen? Heute möchte ich euch meine Heimatstadt vorstellen: Stralsund. Nicht wie im Reiseführer, sondern wie ich es einem Besucher empfehlen würde. Denn die liebevoll restaurierte Altstadt mit ihren prächtigen Backsteinbauten und schmucken Giebelhäusern sowie die meereskundlichen Museen gehören sowie zum Pflichtprogramm. Was ihr darüber hinaus machen könnt, lest ihr hier.

Kein Zweifel: Die schöne Stadt am Strelasund ist eines der beliebtesten Urlaubsziele an der deutschen Ostseeküste. Die historische Altstadt, zusammen mit Wismar seit 2002 Unesco Weltkulturerbe und die Lage als Tor zur Insel Rügen sind dabei wohl die beiden Hauptargumente für einen Besuch der altehrwürdigen Hansestadt. Aber auch Ozeaneum und Meeresmuseum ziehen viele Touristen an. 485.497 Übernachtungen verzeichnete die Stadt im Jahr 2015. Tendenz steigend.

Hier nun die Tipps von Nord bei Nordost für Stralsund

  1. Auf die Marienkirche steigen. 104 Meter hoch ist die Spitze, des 1298 erstmals erwähnten Gotteshauses. Von der Aussichtsplattform hat man einen fantastischen Blick über die Stadt, den Sund und Rügen. Von hier oben erkennt man auch Stralsunds Fast-Insel-Lage, umgeben vom Strelasund und den Stadtteichen. Und die Stadtteiche bringen mich zu Punkt zwei.
Blick auf Stralsund über den Knieperteich

Blick über den Knieperteich auf die Stralsunder Altstadt nach einem Gewitter.

2. Um den Franken- und, oder den Knieperteich wandern. Die der Altstadt direkt vorgelagerten Gewässer waren einst Teil der Stralsunder Befestigungsanlagen. Nur an wenigen, engen Stellen kam man an ihnen vorbei und in die Stadt. Heute locken sie mit parkähnlichen und idyllischen Grünanlagen und Wegen abseits des großen Touristentrubels und bieten mal einen ganz anderen Blick auf die Stadt. Auf dem Knieperteich kann man sich zudem Ruderboote oder Wassertreter ausleihen.

Bummeln und baden

3. Auch die Sundpromenade lädt zum Bummeln ein. Auf ihr kann man von der Hafenmole bis zum Freibad schlendern. Knapp zwei Kilometer misst dieser Weg. Bänke laden unterwegs zum Verweilen. Bei guter Sicht kann man von der Promenade die Südspitze Hiddensees sehen. Und im Sommer lohnt es sich Badesachen mitzunehmen, um am Stralsunder Stadtstrand ins kühle Nass zu springen.

4. Neben Meeresmuseum und Ozeaneum gibt es ein weiteres tolles Museum, das meiner Meinung nach viel mehr Aufmerksamkeit erhalten sollte: das Stralsund Museum – formerly known as das Kulturhistorische Museum.  Fragt mich nicht, warum es umbenannt wurde. Ich fand den alten Namen schöner. Zu sehen gibt es da ganz viel zur Stadtgeschichte und von der hat Stralsund ja eine ganze Menge zu bieten. Hansezeit, der Stralsunder Friede von 1370, Belagerung durch Wallenstein im Dreißigjährigen Krieg, Schwedenzeit. Das erste Wertheim-Kaufhaus wurde hier eröffnet und Stralsund ist die Wiege der preußischen Marine. Highlight ist natürlich der Hiddenseer Goldschmuck – ein Wikingerschatz aus dem 10. Jahrhundert – der nach Sturmhochwassern im Jahr 1872 und 1874 entdeckt und geborgen wurde.

Der Hafen ist Stralsund

Im Hafen von Stralsund

Pause im Hafen von Stralsund.

5. Das Flair der Hafeninsel erleben. Okay – hier geht man als Tourist sowieso hin. Schließlich steht das Ozeaneum dort. Aber im Hafen schlägt im Sommer auch das Herz Stralsunds. Hier legen die Fähren nach Hiddensee ab. Hier ankern die Besucher, die mit Segel- oder Motorboot gekommen sind. Fischer räuchern ihren Fang. Von Kuttern werden Fischbrötchen verkauft. Die Gorch Fock liegt hier vertäut. Es gibt viele Restaurants. Ideal zum Verschnaufen und um etwas zu Essen und zu Trinken. Egal in welche Richtung man schaut, immer erblickt man eine grandiose Kulisse. Ob die imposanten Speicher und das futuristische Design des Ozeaneums – von den Stralsundern liebevoll „Klorolle“ genannt, die Türme der drei großen Stadtkirchen St. Marien, St. Nicolai und St. Jacobi, die große Rügenbrücke oder die Insel Rügen mit dem Örtchen Altefähr. Mein Tipp für Fotografen: Geht in das „Kartoffelkiste“ genannte Parkhaus am Ozeaneum und dort auf das oberste Parkdeck. Von dort bieten sich mal etwas andere Motive.

6. Absolut lohnenswert ist auch der umgekehrte Blick. Also der auf den Stralsunder Hafen von der Seeseite. Dazu fährt man in den gegenüberliegenden Ort Altefähr auf der Insel Rügen. Entweder direkt mit dem Schiff. Oder mit dem Auto über den alten Rügendamm hin und auf der neuen Rügenbrücke zurück. Von Altefähr aus sieht man die Silhoutte der Hansestadt am besten. Und ganz nebenbei hat der kleine Ort seinen ganz eigenen Charme und einen kleinen Strand sowie einen großen Park mit einem Kletterwald.

Womit ich bei den Tipps für die Umgebung wäre

Blick vom Wachturm Barhöft

Blick vom ehemaligen Wachturm Barhöft auf die Insel Bock. Dahinter sieht man Hiddensee.

7. Barhöft: Der kleine Ort rund 15 Kilometer nördlich hat einen kleinen Hafen und einen kleinen Strand. Nur wenige Urlauber verirren sich hierher. Es gibt ein paar Gästezimmer und etwas Gastronomie. Der Strand ist hervorragend für kleine Kinder geeignet, weil das Wasser auch viele Meter vom Ufer noch sehr flach ist. Schaut man von hier auf den Strelasund und zu den Inseln Bock im Norden und Rügen im Osten scheinen die Konturen zwischen Wasser und Land zu verschwimmen. Ein besonderer Blick bietet sich vom ehemaligen NVA-Grenzwachturm, den man nach einem kurzen Fußweg (ausgeschildert) von Barhöft erreicht. Nördlich davon – zwischen dem Festland und den Inseln Bock und Kleine Werder – beginnt die Kernzone des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft. Gar nicht weit weg kann man vor allem im Herbst Kraniche beobachten. In Groß Mohrdorf ist das Kranich-Informationszentrum.

8. Apropos Kraniche: Wer sich für Vögel interessiert, dem lege ich den Vogelpark Marlow ans Herz. Er liegt gut 50 Kilometer südwestlich vor den Toren der Stadt und bietet allerlei Federvieh vom Papagei bis zum Pinguin, aber auch Affen und einen Streichelzoo. Die Loris, eine kleine Papageienart, kann man sogar füttern. Die zahmen Gesellen setzen sich gerne auf Kopf, Schultern oder Hände.

Blick über Hiddensee

Blick vom Dornbusch auf Hiddensee.

9. Hiddensee: Ein Tagesausflug auf die autofreie Insel lohnt sich definitiv. Auch wenn die Dampfer von Stralsund (Fahrzeit zwei Stunden) in der Hauptsaison rappelvoll sind (rechtzeitig Tickets sichern). Nicht umsonst heißt sie in der Sprache der Einheimischen „Sötes Länneken“ (Süßes Ländchen). Wer gut zu Fuß ist steigt in Neuendorf ganz im Inselsüden aus und wandert die acht Kilometer über den Hauptort Vitte bis nach Kloster in Inselnorden. Von dort geht’s abends wieder zurück nach Stralsund. Man kann sich aber auch einfach nur an den schönen Hiddenseer Strand legen und zur Abkühlung in die Ostseefluten springen. Oder man steigt auf den Dornbusch mit seinem Leuchtturm. Oder man wandert auf die aus Schwemmland entstandene Halbinsel Altbessin bis hinunter zum Aussichtspunkt, von wo die zu Rügen gehörende Landzunge Bug zum Greifen nahe scheint.

Für Leib und Wohl

10. Gastronomie-Tipps: Gutes Frühstück und leckeren Kaffee für einen gelungenen Start in den Stralsund-Tag gibt es im Café Mandani am Alten Markt. Wer auf dem Neuen Markt startet, dem empfehle ich, sich im Café des Bäckers Junge zu stärken.

Zum Mittagessen hat man die Qual der Wahl. Aber ich bin ja sowieos der Meinung, dass man in Stralsund Fisch essen sollte. Und das kann man zum Beispiel sehr gut im Fischermanns (Hafeninsel), in der Kogge (Tribseer Straße) oder im Schipperhus (Langenstraße). Was immer geht, ist ein Fischbrötchen oder ein Stück frisch geräucherter Fisch an einem der Kutter im Hafen. Dazu ein kühles Pils. Das ist meine bevorzugte Variante.

Das für meinen Geschmack leckerste Eis gibt es im Eiscafé in der Marienchorstraße 1 nahe der Marienkirche. Dort gibt es Soft- und Kugeleis aus eigener Herstellung und das schmeckt man auch.

Stralsund Hafen Sonnenuntergang

Sonnenuntergang im Stralsunder Hafen.

Und abends? Zuerst auf die Hafeninsel und den Sonnenuntergang über der Mole und den Masten der Segler erleben. In den Sommermonaten beschert die lange Dämmerung dieser blauen Stunde ein einzigartiges Flair. Wunderbar erleben kann man das zum Beispiel bei einem Drink im Biergarten des Goldenen Ankers gegenüber der Gorch Fock. Oder man bringt sich sein Getränk selber mit und hockt sich einfach auf die Kaikante. Nebenan in der Werkstatt gibt es an manchen Abenden Livemusik oder Disco. Danach geht’s ein paar Meter die Fährstraße hinauf ins Ben Gunn. Der Pub ist eine der urigsten Kneipen Stralsunds. Wände und Decken sind vollgestopft mit alten Emaille-Werbeschildern. Bei Guinness, Kilkenny oder Stralsunder treffen sich hier Alt und Jung, Einheimische und Urlauber.  Für Whisky-Liebhaber gibt es zahlreiche Sorten des rauchigen Drinks. Hier lässt man seinen Stralsundbesuch entspannt ausklingen.

 

Autor: Lars Schmidt

KOMMENTARE

Anne

Vielen Dank für die tollen Tipps, die mir bei meinem spontanen Stralsund-Aufenthalt viel Vergnügen bereitet haben!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.