Potentia Animi

POTENTIA ANIMI: „Wir würden auch im Swingerclub spielen“

Auf ihrer Pilgerfahrt durch die deutschen Lande empfing die Bruderschaft Potentia Animi mich zu einer Privat-Audienz im Frankfurter Nachtleben. Dabei erzählten die Brüder erhellendes über den Papst und Harry Potter, berichteten von einer unbefleckten Empfängnis und verrieten interessante Facts aus dem harten Leben ihres Ordens. Und dann gab es noch einen viel sagenden Ausblick auf die Zukunft einer anderen, sehr beliebten Band. Den Inchtabokatables…

Nord bei Nordost: „Warum habt ihr euch als Band Potentia Animi dieses Image als Bruderschaft mit den Mönchskutten und all dem aufgebaut?“

Bruder Liebe: „Weil wir auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt sind. Wir haben die Bruderschaft gegründet, um der Sünde und dem Fegefeuer zu entgehen.“

Nord bei Nordost: „Es gab also ein sündiges Vorleben…“

Bruder Liebe: „Ja – ein ganz Schlimmes. Zu schlimm, um davon zu erzählen.“

Nord bei Nordost: „Nach welchen Richtlinien lebt und arbeitet ihr denn jetzt?“

Bruder Liebe: „Keuschheit. Früh aufstehen. Viel arbeiten. Wasser trinken. Und die Werke des Herrn achten.“

Nord bei Nordost: „Was unterscheidet die Musik von Potentia Animi von der anderer Mittelalterensembles?“

Bruder Liebe: „Die meisten bearbeiten mittelalterliches Liedgut und versuchen die originalen Melodien zu verwenden. Wir schreiben viele Sachen selbst und übernehmen höchsten die Texte, meistens aus der Carmina Burana. Und dann sehen wir natürlich viel besser aus.“

Nord bei Nordost: „Der Abschlusssong eurer CD fällt etwas aus dem Rahmen, weil es ja eher eine Dance-Nummer ist. Wollt ihr euch damit den Weg in die Discos bahnen?“

Bruder Liebe: „Damit wären wir 15 Jahre zu spät. Das Lied war einfach da und wir dachten uns, es ist ein schöner Abschluss. Es überrascht ganz einfach, weil niemand mit so’ner Disco-Nummer rechnet. Gerade Journalisten brauchen ja immer Schubladen, in die sie eine Band einsortieren können. Und wir sorgen mit solchen Stilbrüchen für etwas Verwirrung. Auf unserer Herbsttour werden wir dann auch auf der Bühne dazu tanzen…“

Nord bei Nordost: „Das Cover eures Albums ist ja nicht gerade tugendhaft. Wie geht denn eine schwangere Nonne mit der von euch gelobten Keuschheit konform?“

Bruder Liebe: „Das war eine unbefleckte Empfängnis. Das ist ein Wunder! Wie bei Maria damals. Nur konnte man das da ja noch nicht darstellen, weil es keine Fotoapparate gab.“

Nord bei Nordost: „Wenn dem so ist, was sagt denn der Papst dazu?“

Bruder Liebe: „Mit dem Papst haben wir wenig zu tun. Wir gehören nicht zur katholischen Kirche, weil uns deren Regeln nicht gefallen. Deshalb haben wir ja unseren eigenen Orden gegründet. Die kirchlichen Institutionen – ob katholisch oder evangelisch – sind nicht unser Fall.“

Nord bei Nordost: „Der Papst hat ja in letzter Zeit über verschiedene Dinge seinen Missfallen geäußert: Ein Beispiel ist der Bestseller „Das Sakrileg“. Was haltet ihr davon?“

Bruder Nachtfraß: (lacht) „Wir haben uns gerade das Hörbuch angehört. Und ins Kino gehen wir bestimmt auch, wenn der Film kommt.“

Nord bei Nordost: „Ein anderes populäres Beispiel ist Harry Potter.“

Alle wie aus einem Mund: „Sofort verbieten!“

Bruder Liebe: „Dieses eingebildete, verzogene Stück Kind…“

Bruder Schaft: „So’n Superschwiegersohnschleimerscheißer.“

Bruder Liebe: „Der kriegt alles vorn und hinten rein gesteckt. Selber hat der doch gar nichts gemacht.“

Bruder Schaft: „Naja – er hat schon was gemacht…“

Bruder Liebe: „Ja – ’n Ball gefangen. Weil sein Vater auch schon Fänger war.“

Nord bei Nordost: „Vielleicht stirbt er ja im letzten Teil…“

Bruder Liebe: „Das wär’ gut. Dann gucken wir uns den Film hundert Mal an und feiern im Kino.“

Nord bei Nordost: „Ihr ward auf eurer Tour auch auf einem Hexentanzfestival. Da hattet ihr sicherlich alle Hände voll zu tun…“

Bruder Liebe: „Wir gehen überall hin, wo man uns ruft.“

Bruder Schaft: „Außerdem planen wir eine große Hexenverbrennung. Und da muss man ja mal schauen, was so auf dem Markt ist.“

Bruder Liebe: „Wir würden auch im Swingerclub spielen, wenn das gewünscht wird.“

Nord bei Nordost: „Nackt oder mit Mönchskutte?“

Bruder Liebe: „Natürlich nackt unter der Mönchskutte.“

Nord bei Nordost: „MTV ist wegen der Papstsatire „Popetown“ stark unter Beschuss. Würdet ihr euch die Serie ansehen?“

Bruder Liebe: „Nein. Da sind wir entsetzt. Der Papst gehört ganz im Allgemeinen nicht ins Fernsehen. In welcher Form auch immer.“

Nord bei Nordost: „Wie viele Leute konnten Potentia Animi auf ihren Konzerten schon vom Pfad der Tugend überzeugen? Gab es Massenbekehrungen?“

Bruder Liebe: „Massenreinigungen gibt’s. Innerlich…“

Bruder Schaft: „Wir wollen ja, dass die Leute ihre Sünden bereuen. Eine gute Möglichkeit dazu besteht darin, sich dermaßen zu besaufen, dass man am nächsten Tag alle Sünden vergessen hat.“

Bruder Liebe: „Das ist aber die äußerste Methode.“

Nord bei Nordost: „Gibt es viele Bewerbungen um Aufnahme in eure Bruderschaft?“

Bruder Liebe: „Ja, die gibt es. Aber die Aufnahmerituale sind zu hart. Wenn sie die hören, machen sie gleich einen Rückzieher. Wir selbst sind ja drum herum gekommen, weil wir den Orden gegründet und die Aufnahmergeln bestimmt haben.“

Nord bei Nordost: „Die da wären?“

Bruder Liebe: „Zum Beispiel eine Woche lang mit einer Kirchenglocke auf dem Kopf herum laufen und jeder darf dagegen schlagen.“

Nord bei Nordost: „Am Ende noch die unausweichliche Frage nach den Inchtabokatables, deren Drummer du warst. Offiziell befindet ihr euch in einer elfjährigen Pause, vier davon sind vergangen. Ihr trefft euch einmal pro Jahr, um zukünftiges zu besprechen. Wie ist der Stand der Dinge?“

Bruder Liebe: „Bei unserem diesjährigen Treffen hatte noch keiner Ambitionen, die Inchies wiederzubeleben. Jeder macht zurzeit halt so sein Ding. Aber ich glaube, elf Jahre werden es wohl nicht, bis wir gemeinsam auf eine Bühne zurückkehren. Das ist doch eine ganz schön lange Zeit. Und die Gefahr des Vergessenwerdens ist groß. Davon abgesehen hat man uns auch schon eine Menge Geld geboten, die Pause vorzeitig zu beenden und wieder auf Tour zu gehen. Aber darauf lassen wir uns definitiv nicht ein.“

Nord bei Nordost: „Dann üben wir uns also weiter in Geduld. Vielen Dank für das Gespräch.“

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Potentia Animi, v.l.: Bruder Schlaf, Bruder Nachtfraß, Bruder Liebe, Bruder Schaft (Foto: Staupa Music)

Autor: Lars Schmidt

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