Kaelan Mikla

Kaelan Mikla ‎“Nótt Eftir Nótt“: Björks böse Töchter

Aus Island rollt eine dunkle und kalte Klangwelle zu uns herüber. Sie hießt „Nótt Eftir Nótt“ und ist das dritte Album von Kaelan Mikla. Dahinter verbergen sich drei jungen Frauen, die mit ihrer Musik selbst die heißen Geysire der Vulkaninsel im Nordatlantik zum Erfrieren bringen.

Nach den Alben „Kaelan Mikla“ und „Mánadans“ hat auch „Nótt Eftir Nótt“ für Freunde finsterer Klänge alles zu bieten, was das Herz begehrt. Hier werden klangliche Abgründe bis zur Schmerzgrenze ausgelotet. Der Sound des Trios klingt verstörend und aggresiv. Dann wieder geheimnsivoll und melancholisch. Dabei ist er anziehend und faszinierend.

Fröhlich sein und singen ist jedenfalls nicht das Motto von Sólveig Matthildur Kristjánsdóttir (Keyboard), Margrét Rósa Dóru-Harrysdóttir (Bass) und Laufey Soffía Þórsdóttir (Gesang). Immer das Gesicht wahren, ständig Lächeln, immer freundlich sein, ist nicht ihr Ding, wie das Trio in einem Interview mit dem Magazin „Grapevine“ aus ihrer Heimatstadt Reykjavik zugibt.

Death-Rock, Postpunk, Darkwave

Der Musik von Kaelan Mikla hört man diese Haltung bei jedem einzelnen Ton an. 2013 als eine Art Death-Rock-Band ohne Gitarren gestartet, hat sich der Sound der Isländerinnen inzwischen stark zum Postpunk und Darkwave gewandelt. Mit Drumcomputer, Synthies, Bass und Gesang entwickeln sie eine schnörkellose, musikalische Atmosphäre, die unweigerlich an die Hochzeit dieses Stils in den Achtzigern erinnert.

Da bauen sphärische Keyboardklänge wohlige Grabesstimmung auf und ein rhtyhmisch, treibender Bass ruft zum Hexentanz. Das allein reicht schon für Gänsehaut-Feeling aus. Doch wenn Laufey Soffía Þórsdóttir ihre Stimme ertönen lässt, fröstelt auch der Letzte. Sie stößt markerschütternder Schreie aus, wispert, fleht, beschwört. Dass sie in ihrer Muttersprache singt, sorgt für einen Hauch von Exotik und verstärkt den geheimnisumwogenen Touch des Kaelan-Mikla-Sounds. Gegen dieses stimmliche Repertoire kommt einem Björk, die große Dame der isländischen Musik, wie ein zahmes Klosterfräulein vor. Kaelan Mikla klingen wie ihre bösen Töchter.

Robert Smith ist Fan von Kaelan Mikla

In der großen und vielfältigen Musikszene des kleinen Islands nehmen Kaelan Mikla schon jetzt eine Ausnahmestellung ein. Das Potenzial des Trios erkannte auch Robert Smith von The Cure und lud die Band als Ehrengäste zum Konzert anlässlich des 40. The-Cure-Geburtstages im Londoner Hyde Park.

„Wenn du auf der Bühne stehst, musst du nicht glücklich sein. Du kannst wütend sein, schreien und Dinge kaputt machen“, sagen Kaelan Mikla. Und so klingen sie dann auch. Die drei Isländerinnen mit den eisigen Gesichtern geben der Kälte einen Klang. Und wer sich aufs Eis wagt, kann sich daran erwärmen.

Künstlerwebseite auf Bandcamp

Mehr Postpunk und Darkwave auf Nord bei Nordost:

The Soft Moon: „Criminal“

The KVB: „Only Now Forever“

 

 

Autor: Lars Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.