Wolin

Wundervolles Wolin: zwischen vollen Stränden und einsamer Natur

Weiße Strände, dichte Wälder, weite Felder: Auf Polens größter Insel gehen Natur und Tourismus noch Hand in Hand. Die Landschaft ist urwüchsig. Im Hinterland liegen beschauliche Dörfer. Wer es turbulenter mag ist in Misdroy, dem größten Ferienort auf Wolin, gut aufgehoben.

Neben seinen landschaftlichen Reizen hat Wolin aber auch noch eine ganz besondere Geschichte vorzuweisen. Im gleichnamigen Inselhauptort am Südzipfel des Eilandes, soll einst Vineta gelegen haben. Das behaupten zwar auch andere Orte an der Ostsee von sich. Aber bei Wolin – das ergaben archäologische Ausgrabungen – befand sich vom 10. bis zum 12. Jahrhundert ein bedeutender Seehandelsplatz mit einer entsprechend großen Siedlung.

Wie das Leben in Vineta ausgesehen haben könnte, davon vermittelt das Archäologische Freilichtmuseum auf einer kleinen Insel im Fluss Dzwina einen anschaulichen Eindruck. Der Nachbau einer frühmittelalterlichen Slawen- und Wikingersiedlung besteht aus 27 Hütten, einem Wall mit Palisaden sowie einem Hafen mit Kai. Mitarbeiter in historischen Trachten führen historisches Handwerksarbeiten vor. Höhepunkt des Jahres ist das Wikinger Festival, das am ersten Augustwochenende stattfindet.

Im Sommer wirds an den Stränden von Wolin voll

Mit langen, weißen Sandstränden geizt die Insel Wolin ebenfalls nicht. Von der Mündung der Swine im Westen bis zur Mündung der Dzwina im Osten zieht sich fast 40 Kilometer lang ein breites, weißes Band. Lediglich am östlichen Ortsausgang von Misdroy wird der Strand auf ein paar Kilometern etwas schmaler, weil er sich zu Fuße der bis zu 90 Meter hohen Steilküste entlang schlängelt.

In der Hauptsaison ist der Strand gut gefüllt. Besonders in den Orten und die ersten hundert Meter links und rechts der Strandzugänge liegen die Urlauber dicht an dicht. Große, bunte Windschutze und Sonnenschirme sind hier für die meisten Badegäste ein unverzichtbares Requisit. Mobile Verkäufer bieten lautstark von Eis über Bier bis zu Popcorn und Waffeln alles an, worauf man so Appetit bekommen könnte. An einigen Strandzugängen servieren Strandbars Kaffee und Cocktails. Wer es lieber ruhiger mag, der sollte von diesen Hotspots ein paar Meter weiter laufen oder sich außerhalb der Ortschaften einen Weg zum Strand suchen.

Wandern unter Buchen

Das gleiche gilt für Misdroy. Der trubelige Ort bietet das volle Touristen-Entertainment: Seebrücke, Rummel, Bars, Restaurants, Cafés, Supermärkte für Strandbedarf und ein eigenes Filmfestival. Nichts für Ruhesuchende. Noch nicht ganz so überlaufen ist das kleinere Międzywodzie. Aber auch hier ist in den Sommerferien, wenn sich polnische und deutsche Sommerfrischler zum Ostseeurlaub einfinden, jede Menge los.

Wer genug von Sand und Wellen hat, dem bietet Wolin einen riesigen Buchenwald mit einem verzweigten Wanderwegenetz. Der Wolinski Nationalpark nimmt fast die Hälfte der Insel ein. Unter den schattenspendenden Baumriesen lässt es sich wunderbar wandern. Und wer Europas letzte Wildrinder sehen will, kann dies im Wisentgehege tun. Von Misdroy ist es nicht weit dorthin und an der Straße 102 gibt es einen Parkplatz, von dem ein Weg zu den gehörnten Zottelviechern führt.

Wo die Zeit stehengeblieben scheint

Wenn man mit dem Auto oder Fahrrad über die Insel fährt, empfehle ich auch mal die Hauptstraßen zu verlassen und auf teils holprigen Pisten das Hinterland zu erkunden. Zwischen Zastan, Rekowo und Chynowo gibt es so einen Weg. Er beginnt als unbefestigter Feldweg und geht dann in buckliges Kopfsteinpflaster über. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Weite Felder, gesäumt von Mohn und Kornblumen, leuchten in der Sonne.

Ähnlich entrückt und fern unserer heutigen Welt scheint Karsibór zu sein. Die kleine Insel westlich von Wolin gehörte einst zu Usedom. Das 14 km² kleine Eiland entstand erst Ende der 19. Jahrhunderts durch den Bau der Kaiserfahrt – eines Kanals, der das Stettiner Haff dem Delta der Swine verbindet. Ausgedehnte Schilfgürtel umschließen die Insel, die ein Paradies für Vögel und für Angler ist. Die Ruhe und Abgeschiedenheit dort ist einzigartig.

Meine Tipps für Wolin

Anreise: Mit dem Auto aus Deutschland kommend entweder über die A11 nach Stettin und dann weiter über die S3 nach Wolin. Oder von Usedom aus bei Swinemünde mit der kostenlosen Fähre übersetzen.
Achtung: Im Juni 2018 gabe es auf der Ortsumgehung von Stettin eine riesige Baustelle. Ich stand dort eine Stunde im Stau. Am Samstag, wenn Bettenwechsel ist, muss in der Hauptsaison mit starkem Verkehrsaufkommen gerechnet werden. Die Straßen geraten dann an ihre Belastungsgrenzen.
Mit dem Zug nach Misdroy: Zum Beispiel von Berlin Hbf mit umsteigen in Angermünde und Stettin.

Unterkunft: Wenn ihr keinen Wert auf den abendlichen Urlaubertrubel einer Strandpromenade legt, sucht euch ein Domizil im Hinterland. Ich hatte ein Ferienhaus in Zastan. Um mich herum die Wochenendhäuschen von Polen und sonst nur weite Felder. Mit dem Auto war ich in zehn Minuten am Strand. Campingplätze gibt es auf der Insel drei.

Essen und trinken: Die polnische Küche ist deftig, das einheimische Bier hervorragend aber vegetarische Gerichte sind die Ausnahme. Dafür gibt es überall frischen Fisch. Ein Genuss ist auch das polnische Eis und zwar speziell das Lody sowie die frischen Waffeln. Kleine Imbisse und Bistros gibt es in den Ferienorten quasi an jeder Ecke.
Am östlichen Ortsausgang von Misdroy, direkt am Strand, locken mehrere Fischräuchereien und -imbisse mit leckeren Fischgerichten. Hier wird der Fang gleich an den Kunden weiterverkauft.
In Międzywodzie ist die Konditorei Bojzan unbedingt einen Besuch wert. Die Auswahl an Kuchen, Torten und Desserts ist überwältigend und es schmeckt riesig. Nur die Abfertigung der Gäste – wie fast überall in Polen herrscht Selbstbedienung – ist ausbaufähig.

Einkaufen: Größere Supermärkte gibt es in der Stadt Wolin, in Misdroy und in Dzwiwnów. Dzwiwnów liegt bereits auf dem Festland, ist aber von Międzywodzie nur 5 Kilometer entfernt. Ich habe am liebsten im Supermarkt Biedronka eingekauft. Sortiment und Preise haben mir dort am bessten gefallen. Für Spontaneinkäufer bieten die Urlaubsorte kleine Minimärkte, in denen man das Wichtigste zu etwas höheren Preisen bekommt.

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Autor: Lars Schmidt

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