Gesamtkunstwerk Laibach (Foto: Drava)

„Gesamtkunstwerk Laibach“: Verschwurbelter Literaten-Murks

Veröffentlichen drei Literaturwissenschaftler ein Buch über Laibach. So könnte ein guter Witz beginnen. Im Falle des Buches „Gesamtkunstwerk Laibach: Klang, Bild und Politik“ beginnt so leider eine kurze Geschichte über ein fürchterlich verquastes Werk über eine großartige Ausnahmeband.

Aber ich will nicht gleich die große Verriss-Keule auspacken. Vielleicht bin ich ja nur zu blöd, um den geistigen Auswurf der Autoren zu verstehen. Ich habe ja auch kein Studium der Literatur-, Kultur- oder einer ähnlichen Wissenschaft vorzuweisen. Wie wohl die meisten Laibach-Fans. Und somit fürchte ich, dass ich mit meiner Ratlosigkeit nach der Lektüre dieses Buches nicht alleine da stehe.

Aneinanderreihung von zungenbrechenden Fremdwörtern

Erdacht haben dieses Werk Daniela Kirschstein, Johann Georg Lughofer und Uwe Schütte. Neben ihnen haben jedoch noch viele andere Autoren Beiträge für  „Gesamtkunstwerk Laibach“ (Drava Verlag) geschrieben. Womit ich schon bei einem weiteren Kritikpunkt bin. Wer diese vielen Schreiber sind, verrät das Werk leider nicht. Aber im Aneinanderreihen von zungenbrechenden Fremdwörtern sind sie ganz große Klasse: „Laibachs Verfahren der Retroavantgarde im Kontext poststrukturalistischer Intertextualitätstheorien“ heißt etwa das Kapitel von Tanja Veverka.

Und so wie diese Überschrift liest sich leider der ganze deutschsprachige Teil des Werks. Dermaßen abgeschreckt, habe ich die englischsprachigen Kapitel gar nicht erst gelesen. Womit ich bei meinem nächsten Kritikpunkt bin. Warum hat man diese nicht ins Deutsche übersetzt, wenn man ein Buch für den deutschen Markt verlegt?

Was sagt die Band zu „Gesamtkunstwerk Laibach“?

Was mich am meisten interessiert: Was denken Laibach eigentlich, wenn sie Sätze lesen wie „Es gibt eine Interpretation Laibachs künstlerischer Strategie, die auf die Methode der Mimikry verweist; einer Methode, die sich des ideologischen Diskurses bedient, um einen gegen den hegemonialen Diskurs gerichteten Diskurs zweiter Ordnung aufzumachen, den das System nicht unterbinden kann, ohne seine eigenen Prinzipoen zu verraten.“ Wahrscheinlich lachen sie sich tot.

Hätte sich die Band all das ausgedacht, was man in „Gesamtkunstwerk Laibach“ in sie hineininterpretiert, sie hätte niemals die Zeit für ihren großen künstlerischen Output der vergangenen fast 40 Jahre gehabt.

Lest lieber „Laibach und NSK“

Was mich an diesem Machwerk ärgert, ist das der normale Fan hier nichts außer Ratlosigkeit mitnimmt. Naja, man könnte ein paar der akademischen Phrasen auswendig lernen und damit beim nächsten Laibach-Konzert angeben. In meinen Augen haben die Macher des Buches eine große Chance vertan. Nämlich das Phänomen Laibach für jedermann verständlich zu erklären. Warum nicht „Laibach für Dummies“? Stattdessen hat man eine Art Doktorarbeit für 25 Euro in die Regale der Buchhandlungen gestellt.

Aus diesem Grunde kann ich vor dem Kauf von „Gesamtkunstwerk Laibach“ nur abraten. Wer sich für die slowenische Band und die NSK (Neue Slowenische Kunst) interessiert, dem empfehle ich stattdessen das Buch „Laibach und NSK – die Inquisitionsmaschine im Kreuzverhör“ von Alexei Monroe. Da sind außerdem auch Bilder drin.

Mehr Laibach auf Nord bei Nordost:

„Spectre“ (2014) – CD-Kritik

„Volk“ (2006) – CD-Kritik

„Anthems“ (2004) – CD-Kritik

Künstlerwebseite

Autor: Lars Schmidt

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