Musikjahr 2017: Blanche (Foto: Simon Vanrie)

Mein Musikjahr 2017: Drei Neuentdeckungen, ein Album des Jahres und ein Eurovision-Hit

Reisen statt Rock – so könnte ich mein Musikjahr 2017 kurz zusammenfassen. Trotzdem entdeckte ich drei neue Bands – dem Spotify-Algorithmus sei es gedankt. Mein persönlicher Hit des Jahres stammt ausgerechnet vom ESC und beim Hören meines diesjährigen Lieblingsalbums frage ich mich, warum ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Aber der Reihe nach.

Auf zu neuen, alten Ufern. Meine drei Neuentdeckungen sind alle schon ein paar Jahre im Geschäft. Eigentlich eine Schande, dass ich sie erst jetzt gefunden habe. Aber besser spät als nie. Alle drei spielen ihre ganz eigene Interpretation von Postpunk, Darkwave, Electro und Indie-Rock. Um das mal stilistisch annähernd einzugrenzen. Vergleiche zu Joy Division, The Jesus & Mary Chain, The Cure oder Interpol drängen sich auf. Also genau mein Ding: dunkle Bassläufe, hallende Gitarren, kühle Synthies. Es ist die Ästhetik der Achtziger, hineingebeamt in unsere Zeit. Und hier kommen meine Entdeckungen aus dem Musikjahr 2017:

The KVB: aktuelles Album „Of Desire“ (2016)

The KVB "Of Desire"

The KVB „Of Desire“

Das äußerst produktive Duo aus England – seit 2011 wird im Jahresrhythmus etwas Neues veröffentlicht – besticht mit atmosphärischen und teils cineastischen Sounds sowie feinen, düsteren Songs. Damit pendeln sie stilistisch zwischen Joy Division und The Jesus & Mary Chain. Tolle Melodien treffen auf große Portionen Melancholie und gipfeln in schimmernder Dunkelheit. Hier und da reißt einen ein Gitarrengewitter aus der Finsternis. Mit dieser betörend-bedrohlichen Mixtur haben The KVB mich auf Anhieb gefesselt.

Künstlerwebseite auf Bandcamp

The Soft Moon: aktuelles Album „Deeper“ (2015)

The Soft Moon "Deeper"

The Soft Moon „Deeper“

Das Ein-Mann-Projekt von Luis Vasquez aus dem sonnigen Kalifornien klingt so verdammt düster und kalt, dass man sich fragt, ob Vasquez jemals ins Licht tritt. Das komplette Sounduniversum scheint nur aus schwarzen Sternen zu bestehen. Permanent brummt, wummert und dröhnt es dunkel und gefährlich. Neben Postpunk- und Darkwave-Elementen sind auch Einflüsse aus Gothic und EBM zu hören. Eine klaustrophobische Achterbahnfahrt durch abgründige Klangwelten. Da bin ich doch glatt dabei! Für 2018 ist unter dem Titel „Criminal“ ein neues Werk angekündigt.

Künstlerwebseite auf Bandcamp

Soft Kill: aktuelles Album „Choke“ (2016)

Soft Kill "Choke"

Soft Kill „Choke“

Klingen bei The KVB die Joy Division und The Jesus & Mary Chain heraus, sind es bei Soft Kill New Order und The Cure. Mit „Whirl“, dem Opener vom Album „Choke“ hat die Postpunk-Band aus Portland/Oregon gleich mal einen tanzbaren Szenehit fabriziert. Nicht ganz so düster wie The KVB und The Soft Moon, setzen Soft Kill neben ihren traumhaften Melodien auf treibenden Rhythmen und nähern sich damit einer weiteren Ikone des Achtziger-Wave-Sounds: nämlich The Chameleons. Mich hat diese Musik sofort gepackt.

Künstlerwebseite auf Bandcamp

Album des Jahres: „Cigarettes After Sex“ von Cigarettes After Sex

Cigarettes After Sex

Cigarettes After Sex

Sphärisch, entrückte Gitarrenklänge und wie gestreichelt klingende Drums bestimmen den Sound der Cigarettes. Gespielt wie in Zeitlupe. Langsam und melancholisch treiben die Stücke eingehüllt in ganz viel Hall wie in einem dunklen Ozean aus Tönen dahin. Zehn düstere Song-Perlen voll wohliger Schwermut enthält das Meisterwerk. Sie fließen ineinander, haben etwas erbarmungslos Romantisches und verleiten unweigerlich zum Träumen. Platt ausgedrückt: die Musik passt hervorragend zum Bandnamen. Und bekommt von mir den Titel Album des Jahres verpasst.

Link zur Rezi auf Nord bei Nordost: „Lieder so funkelnd wie glimmende Glut“

Hit des Jahres: „City Lights“ von Blanche

Blanche "City Lights"

Blanche „City Lights“

Zur richtigen Zeit eingeschaltet: Beim Eurovision Song Contest betrat gerade Blanche für Belgien die Bühne und sang „City Lights“. Ich war sofort hin und weg. Wie die 17-jährige Sängerin dem Song mit ihrer Stimme Ausdruck verlieh, sorgte bei mir für einen Gänsehautmoment. Der Achtziger-Retro-Stil tat sein übriges, um mich für das Lied Song zu begeistern. Am Ende belegte Blanche Platz vier – mehr als verdient. Für mich war sie aber die Nummer eins. Und die bekommt sie nun in Form meines Hits des Jahres.

Künstlerwebseite

Mehr aus dem Musikjahr 2017 auf Nord bei Nordost

The Russian Doctors: „Halbgötter in Punk“

Laibach „Also sprach Zarathustra“

Blutengel „Leitbild“

Titelfoto: Blanche (Quelle: Simon Vanrie)

Autor: Lars Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.