Laibach "Also sprach Zarathustra"

Laibach „Also sprach Zarathustra“

Was für ein Theater! Die slowenischen Tausendsassas von Laibach haben die Musik für die Bühnenadaption von Friedrich Nietzsches Klassiker geschrieben. Passt ja auch irgendwie zusammen. Sind doch beide – Laibach wie Nietzsche – für ihren kritischen Umgang mit Themen wie Religion und Philosophie bekannt.

Doch die Vertonung von Nietzsches philosophischem Hauptwerk dürfte selbst Hardcore-Fans von Laibach vor eine Herausforderung stellen. Keine mitreißende Rhythmik, keine Marschmusik, kein Peitschengeknalle. Stattdessen schwer wabernde, dunkle Industrial- und Ambient-Sounds. Die Titel sind vielmehr ein Score, denn Lieder. Bei einigen Stücken tönt sonor und monoton die Stimme von Milan Fras und zitiert Zeilen wie „Der Mensch ist ein Übergang und ein Untergang“.

Laibachs „Zarathustra“ ist zu eintönig

Denn darum geht es in der Adaption des slowenischen Theaterregisseurs Matjaž Berger. Die von Zarathustra propagierte Brückenfunktion des Menschen. „Der Mensch ist etwas, was überwunden werden will“, heißt es in dem Werk. Das Ergebnis ist der von Nietzsche beschriebene Übermensch.

Doch auf Dauer ist mir Laibachs „Zarathustra“ zu eintönig. Das Album hat das typische Problem der meisten Soundtracks. Ohne die dazugehörigen Bilder wirken sie nicht oder sind einfach nur langweilig. Mir fehlt bei dieser Theatermusikproduktion der Überraschungseffekt, der Knall. Ich finde keinen Zugang zu diesem Album.

Letztlich ist es Kunst

Dabei ist der „Zarathustra“ nicht Laibachs erste Theatermusik. Schon 1987 komponierte man für eine „Macbeth“-Inszenierung des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg und veröffentlichte die Musik auf Schallplatte und CD. 2006 schufen die Slowenen ihre Interpretation von Johann Sebastian Bachs „Kunst der Fuge“. Unter diesem Aspekt muss man die aktuelle Veröffentlichung so wie Laibachs gesamten Output sehen: Als Kunst, die sich keinem Diktat unterwirft. Das ist es, was Laibach schon immer ausmachte.

Und wer sich einen Gesamteindruck von dieser Kunst machen will, der sollte sich das Theaterstück „Also sprach Zarathustra“ anschauen. Eine Tournee soll in Planung sein.

Seine Premiere feierte „Also sprach Zarathustra“ bereits im März 2016 im slowenischen Novo Mesto.

Mehr zu Laibach auf Nord bei Nordost:

„Spectre“ (2014) – CD-Kritik

„Volk“ (2006) – CD-Kritik

„Anthems“ (2004) – CD-Kritik

Autor: Lars Schmidt

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