The Mission

The Mission „Another Fall From Grace“

Kurzer Exkurs in die Geschichte: 1985 verließ Wayne Hussey nach dem Album „First And Last And Always“ im Streit mit deren Chef Andrew Eldritch die Sisters of Mercy. Hussey konnte seine Song-Ideen für ein neues Album nicht durchsetzen. 1986 veröffentlichte er diese Songs mit seiner eigenen Band The Mission auf deren Debütalbum „Gods Own Medicine“. 2016 erscheint mit „Another Fall From Grace“ das zehnte Album der Band. Und schlägt eine musikalische Brücke zwischen den beiden voran genannten Platten.

„Another Fall From Grace“ ist ein großartiges Album geworden, dass Wayne Hussey und seine Kollegen Craig Adams und Simon Hinkler auch im 30. Jahr des Bestehens ihrer Band voll auf der Höhe ihrer musikalischen Schaffenskraft zeigt. Die Songs versprühen den Zeitgeist der späten Achtziger, ohne dabei verstaubt zu klingen. An allen Ecken und Enden klingen die Lieder wie aus Elementen alter Sisters- und Mission-Sounds zusammengesetzt.

Munteres Ähnlichkeiten-Raten

Für Kenner beider Bands wird es ein Spaß sein herauszufinden, woher ihnen die Melodien, Gitarrenriffs und Basslinien bekannt vorkommen. Doch Hussey ist Profi und exzellenter Songschreiber genug, um keinen einzigen Song wie ein Plagiat klingen zu lassen. Trotz aller Reminiszenzen ist „Another Fall From Grace“ ein völlig eigenständiges Werk, das den Bogen von 1986 ins Jahr 2016 schlägt und musikalisch wie klanglich absolut modern ist.

Das neue Mission-Album vermittelt aber auch eine Vorstellung, wie das Nachfolgewerk von „First And Last And Always“ der Sisters of Mercy hätte klingen können, wenn Hussey an Bord geblieben wäre. Welche Auswirkungen auf die weitere Laufbahn der Sisters das gehabt haben könnte, darüber kann nun munter spekuliert werden.

Die Geschichte verlief aber anders. Andrew Eldritch veröffentlichte noch zwei Sisters-Alben („Floodland“ und „Vision Thing“) und lässt seine Fans seit 1990 auf eine neue Platte warten. The Mission produzieren – abgesehen von einer dreijährigen Auszeit Ende der Neunziger – fleißig neue Songs und sind dabei gereift wie ein guter, alter Wein.

VÖ: 30.09.2016 ( Eyes Wide Shut Records)

Dieser Artikel ist 2016 in einer kürzeren Version bei t-online.de erschienen.

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Autor: Lars Schmidt

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