Die Art

DIE ART: „Es geht uns nicht darum, gefällig zu sein“

Sechs Jahre nach nach dem offiziellen Abschiedskonzert meldet sich die Kultband Die Art zurück. Mit neuem Drummer, neuer Geschlossenheit und neuem Album erfreuen die Leipziger nun wieder alte wie neue Fans und erobern endlich auch den Westen Deutschlands.

Nord bei Nordost: Wann, wie und warum ist die Entscheidung gefallen, Die Art neu zu gründen?

Makarios: Die Entscheidung, Die Art zu reaktivieren, fiel vor ca. einem Jahr. Die Band Wissmut sah die Voraussetzungen für Die Art als gegeben an und dabei insbesondere das zwischenmenschliche Verständnis der Musiker in der Band. Ich hatte ja Die Art nicht aus Spaß aufgelöst, sondern, weil ein Miteinander der damaligen Bandmitglieder unmöglich geworden war. Ich wurde in einer Art Palastrevolution zur Wiedergründung gedrängt und war lange Zeit eher dagegen. Wichtigstes Argument war das Einverständnis des ehemaligen Schlagzeugers Tom Stephan, daß wir den Namen verwenden dürfen. Das hat sich die Band geholt und somit mußte ich mich mit der neuen Situation anfreunden, ein langer Prozess.

Nord bei Nordost: Was war das für eine Stimmung in diesem Moment? Habt ihr mit Sekt oder Bier angestoßen? Eine Party gefeiert? Oder ging das im Leisen vor sich?

Makarios: Wie gesagt, ich war ein großer Zweifler und wollte eigentlich Wissmut weiterführen. Daher waren das ziemlich emotionale Diskussionen um das Für und Wieder, da war zum Anstoßen kein Anlaß. Im Prinzip sind meine Zweifel erst jetzt durch das Album und die gut laufenden Konzerte beseitigt. Es entwickelt sich eine Idee von dem, was ich in der Band sehe.

Nord bei Nordost: Gabs die Songs des neuen Albums da schon oder wurden die dann erst geschrieben?

Makarios: Die Songs gab es nur zum Teil und nur als rohe Demos. Zu Die Art-Songs mussten sie erst werden.

Nord bei Nordost: Was ist denn jetzt anders bei Die Art als vor der Auflösung?

Makarios: Einfach, dass Die Band ein freundschaftlicheres Verhältnis hat und keine Grabenkämpfe mehr ausgetragen werden. Die Art war ja immer in Fraktionen zersplittert und solange diese Reibung kreativ endete, war es auch erträglich. Das ist jetzt ganz anders. Die Reibung entsteht eher durch unterschiedliche musikalische Ansätze, nicht mehr durch persönliche Querelen. Zudem ist man jetzt etwas gelassener, man muss nichts mehr erzwingen.

Nord bei Nordost: Was für ein Gefühl ist es, wieder als Die Art auf der Bühne zu stehen und viele der alten Klassiker wie Marian, Sie sagte oder My Colour is Black zu spielen?

Makarios: Ein durchweg frappierendes Gefühl, überraschend positiv.

Nord bei Nordost: Nach dem Konzert in Frankfurt habt ihr einen sehr glücklichen und gelösten Eindruck gemacht. Wie kann man das beschreiben? Fällt nach so einem erfolgreichen Gig eine Last von euch ab?

Makarios: Aber ja, das hängt ja mit der wunderbaren Stimmung zusammen. Man weiß um seine Stärken und wenn dann die Sache gut läuft, ist auch ein großes Glücksgefuhl zu spüren.

Nord bei Nordost: Auf eurem neuen Album gibt es wieder sowohl deutsche als auch englischsprachige Songs. Warum konntet ihr euch einmal mehr nicht auf nur eine Sprache festlegen?

Makarios: Wenn es nach mir allein ginge, gäbe es nur deutschsprachige Songs. Das ist eben ein Kompromiss in einer demokratischen Band.

Nord bei Nordost: Welche Bedeutung haben heute so alte Songs wie „Black Dust“ oder „Wide Wide World“ für euch?

Makarios: Das sind Klassiker, die wir in aller erster Linie spielen, weil unser Publikum nicht nur die neue Art möchte, sondern diese alten Songs liebt. Daher müssen sie zwingend ins Programm, denn wir machen ja Musik nicht für uns allein. Und es macht Spaß, die Songs zu spielen, es kommt viel positive Energie zurück.

Nord bei Nordost: Einige Underground-Bands der DDR wie Die Skeptiker oder Sandow melden sich zurzeit wieder zurück. Ist die Zeit 18 Jahre nach der Wende endlich dafür reif, dass diese Bands auch über die Grenzen der ehemaligen DDR hinaus wahrgenommen werden?

Makarios: Durch die vielen Exil-Ossis ist es in der Tat etwas leichter geworden, aber ich denke, daß es hauptsächlich ein Thema des Ostens bleibt. Na klar ist es wünschenswert, daß man nicht nur als regionale Band wahrgenommen wird, aber die Mechanismen können wir nicht steuern. Es ist ein sehr langsamer Prozess.

Nord bei Nordost: Inwieweit spielen aus Nostalgie und Geschäft eine Rolle, nachdem diese Bands gemerkt haben, dass immernoch oder wieder eine Nachfrage nach ihren zum Teil längst vergriffenen Tonträgern besteht?

Makarios: Das Geschäft darf man nie außer Acht lassen, die Nachfrage ist da und will befriedigt werden. Warum sollten sich die Bands dann verweigern? Nostalgie ist ein wichtiger Ansatz bei allen, die über 30 sind, man hat ja eine Geschichte und die muß man nicht verstecken. Aber nur Nostalgie oder nur Geschäft wäre zu wenig für uns. Wir wollen einfach wieder als Die Art leben und noch viele Ideen umsetzen.

Nord bei Nordost: Wenn du Die Art des Jahres 1987 mit der des Jahres 2007 vergleichst – welche Unterschiede und welche Gemeinsamkeiten gibt es?

Makarios: Unterschiede gibt es schon in der Besetzung, Unterschiede gibt es im Verständnis der Dinge, der Sicht auf die Gesellschaft. Bestimmt sind wir weniger zornig als damals, vieles, was uns damals getrieben hat, ist weggefallen, musste durch anderes ersetzt werden. „Wide Wide World“ z.B. wäre lächerlich, würde der Song jetzt entstehen. Aber als Teil unserer Geschichte und mit dem Wissen, warum man das gemacht hat, ist er uns jetzt genauso wichtig, wie 1988. Zu den Gemeinsamkeiten zähle ich, dass wir irgendwie weiter wollen, als Band, künstlerisch. Das war schon in den Anfangszeiten so. Zudem geht es uns heute wie damals überhaupt nicht darum, gefällig zu sein, irgendeiner Szene zu dienen. Wir machen unser Ding, unsere Wurzeln liegen im Düsterpunk und davon ausgehend entstehen immer wieder neue Songs, Texte, Alben.

Nord bei Nordost: Sollte es nicht längst ein Buch über euch geben? Wie siehts damit aus?

Makarios: Es gab mal eine Art Biografie, die aber nicht wirklich tiefgründig recherchiert war. Das Buch ist auch vergriffen. Ich denke, es kommt ein richtiges Buch, wenn es genügend neue Anreize gibt, also wenn Die Art sich wieder stabil ins Bewußtsein ihrer Fans gespielt hat. Noch ist es ja ein kurzer Effekt, man muß sehen, wie es mit uns weitergeht, wenn ein, zwei Jahre vergangen sind. Bleibt der Kult bestehen oder ist es nur ein Strohfeuer. Das hängt ja auch damit zusammen, wie es uns gelingt die neuen Songs zu verbreiten. Reduziert man uns auf alte Klassiker, hätte ich keine Lust Die Art weiterzumachen, es muß ein ausgewogenes Verhältnis geben. Und wenn alles das gelingt, gelingt auch sicher eine Biografie.

Nord bei Nordost: Gibt es etwas, das du den gothmund-Lesern mitteilen möchtest?

Makarios: Hörts Euch an, kommt zu den Konzerten, laßt Euch vom Die-Art-Virus infizieren.

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Autor: Lars Schmidt

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