LAIBACH - Volk

LAIBACH – Volk

Einmal mehr überraschen Laibach ihre Freunde, Kritiker und Feinde mit einem Werk, dass niemand erwartet hätte. ‚Volk‘ beinhaltet die Nationalhymnen von 14 Staaten, die die Slowenen auf ihre Art interpretieren.

Eine oberflächliche Platte zum Nebenbeihören ist dabei natürlich nicht herausgekommen. Die Lieder verlangen geradezu danach, sich mit ihnen auseinderzusetzen. Denn Laibach gehen gekonnt auf die nationalen Besonderheiten der Länder ein, fügen kommentierende Texte hinzu und beleuchten somit Geschichte und Gegenwart.

Die amerikanische Hymne läutet man mit Polizeisirenen ein, Deutschland erinnert man an das dunkelste Kapitel seiner Vergangenheit – ohne es jedoch abzuurteilen. Geschickt schaffen Laibach aber auch Gegensätze. So lassen sie beispielsweise die Hymne der Weltmacht Russland niedlich und naiv von einem Kinderchor singen.

Laibach polarisieren weiter

Die Diskussionen um die politischen Ansichten Laibachs werden mit diesem Album sicherlich wieder entfacht. Und es scheint, als sei dies von dem slowenischen Künstlerkollektiv nicht anders gewollt. Hatten die Musiker in der Vergangenheit doch stets zu politischen Geschehnissen oder gesellschaftlichen Entwicklungen Stellung genommen und sich dabei mit provokanten Posen oft angreifbar gemacht. Sei es die Rolle des Kapitalismus nach dem Zusammenbruch des Kommunismus (‚Kapital‘, 1992), der Bürgerkrieg im Ex-Jugoslawien (‚NATO‘, 1994) oder das Thema Religion (‚Jesus Christ Superstar‘, 1996) – immer reflektierte die Band das Erlebte in ihrem künstlerischen Output.

Laibach sind sich stets im Klaren darüber, dass man ihre Äußerungen als politische Statements wertet. Dennoch betonten sie, keine politische Band zu sein, da sie hinter keiner Partei bzw. keinem Programm stünden. ‚Manchmal ästhetisieren wir Politik‘, sagten die Gründer des NSK (Neue Slowenische Kunst) Staates vieldeutig in einem Interview und fügten hinzu: ‚Aber manchmal politisieren wir auch die Ästhetik‘.

NSK-Hymne zum Schluss

Die Hymne des NSK-Staates, jenes virtuellen Gebildes, unter dessen Dach slowenische Musiker, Dichter, Maler, Regisseure und Schauspieler vereint sind, bildet dann auch den Abschluss von ‚Volk‘. Und vielleicht findet sich in der Definition, dieses auf der Welt wohl einzigartigen Staates ohne Grenzen, Territorien und Nationalität, auch die Antwort auf alle offenen Fragen zu diesem Album.

„Zu den Mitteln, mit denen Laibach kämpft, gehört ein doppelt und dreifach gebrochenes Spiel mit Symbolen. Unter totalitären Verhältnissen hat man gelernt, Botschaften so lange zu verschlüsseln, bis sie nur noch Eingeweihten verständlich sind.“ Fehlinterpretationen Außenstehender sind also programmiert.

Künstlerwebseite

Label: Mute
VÖ: 20.10.2006

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