WISSMUT – Bi

Der erste Ton klingt vertraut. Der zweite auch. Kein Zweifel. Hier war das Gespann Makarios/Gumprecht am Werk. Gefühlsbetonter Punk trifft die Melancholie des Wave und verbindet sich zu großartigen, melodiösen Songs. Eine Musik, wie man sie aktuell von kaum einer anderen Band auf so schöne Weise zu hören bekommt. Eine Musik, wie sie bis vor vier Jahren noch von Die Art gespielt wurde. Jener DDR-Underground-Kultband, in der Sänger und Texter Makarios sowie Gitarrist und Songschreiber Thomas Gumprecht, ihre großen Erfolge feierten. Auch wenn die Parallelen natürlich immens sind. Die markante Stimme, das unverwechselbare Gitarrenspiel. Die Art ist Geschichte. Es lebe Wissmut! Mit feinen elektronischen Elementen und Grooves haben Wissmut ihren Sound abgerundet. Zwei Titel überraschen gar durch rhythmisch treibende und elektronische Drums und der beschwörende Gesang von Makarios haucht diesen Nummern einen regelrecht hypnotischen Charakter ein. Thomas Gumprecht lässt die Gitarren wieder in allen erdenklichen Klangfarben schrammeln. Und auch der Bass darf in dieser Band noch einen maßgeblichen und hörbaren Anteil am Gesamtbild abliefern. In diesem teils beklemmenden, teils weiten Spannungsfeld erzeugen Wissmut Stimmungen, die voll dunkler Rätsel stecken und eine morbide Schönheit ausstrahlen. Gleichzeitig wird es aber nicht vergessen, glitzernde Hoffnungsfunken zu versprühen. Die Eindringlichkeit der wissmutschen Melodien dringt in alle Poren, setzt sich im Kopf fest und öffnet jedes Herz. Dort verankert, entfalten sie ihre volle Wirkung. Es ist schön, dass Wissmut mit diesen Tugenden zurück sind und das Erbe von Die Art fortführen. Auch wenn die Band nicht zu den großen der deutschen Musikszene gehört – sie wäre um einiges ärmer ohne Wissmut.

Label: Upart/Brachialpop/Rough Trade
VÖ: 25.04.2005

Autor: Lars Schmidt

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