JOACHIM WITT – Pop

Pop – ein Wort so schlicht, aber so bedeutungsvoll. Ein Statement, ein Aushängeschild. Wohl auch deshalb hat Joachim Witt das Wort für sein ‚Pop‘-betiteltes Album wie ein Wappen gestalten lassen. Gut sechs Jahre nach ‚Die Flut‘, dem grandiosen Comeback der ehemaligen NDW-Ikone, läutet Joachim Witt mit ‚Pop‘ nun die sanfte Abkehr vom Rockgetöse seiner letzten drei Alben ein. Zum Weg weisenden Meilenstein könnte dabei der Song ‚Erst wenn…‘ geraten. Dieses emotionale Lied ist ein Duett mit Schauspielerin und Sängerin Jasmin Tabatabei (‚Bandits‘), die mit ihrer hellen Stimme den Kontrast zu Witts dunklem Organ bildet und dem anfangs melancholischen Titel eine hoffnungsvolle Wende gibt. Der neue, versöhnlicher klingende Sound des Joachim Witt ist dabei eher ein Zufallsprodukt als pure Berechnung: ‚Die zwölf Songs sollen keine Kehrtwende markieren, die sind tatsächlich ganz homogen entstanden‘, so der Künstler. Wie dem auch sei: Anno 2004 klingt Witt weniger düster, bedrohlich, grollend und hart als auf seinen Alben ‚Bayreuth I‘, ‚Bayreuth II‘ und ‚Eisenherz‘. Dennoch blieb er sich und seinem Stil treu. Streicher in Moll leiten opulent arrangierte Songs ein. Gitarren und Drums treiben die Titel an. Keyboards schwelgen in dunklen Klanglandschaften. Nur die getrageneren Kompositionen verleihen dem Ganzen mehr Gelassenheit. Das Verbissene, Verkrampfte ist gewichen. Emotional und erhaben, philosophisch und träumerisch klingt es, wenn Joachim Witt von Vergangenem, von Abschied oder von Hoffnung singt. Der Song ‚Erst wenn…‘, dieser eingängige Ohrwurm, vereint all diese Qualitäten und hat das Zeug zu einem echten Hit, einem wahren ‚Die Flut‘-Nachfolger. Doch für das Formatradio dürfte es dem Stück an der nötigen Kompatibilität fehlen. Zum Glück, möchte man meinen. Denn zu viel Kompromissbereitschaft in diese Richtung hätte den Song, hätte das Album zu sehr verwässert.

Label: Ventil/SPV
VÖ: Januar 2004

Autor: Lars Schmidt

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