XANDRIA: Alltägliche Geschichten in fantasievollen Songs

Da sage noch einer das Internet sei Schuld an der Krise der Musikbranche. Für die Bielefelder Band Xandria war das weltweite Web das Karrieresprungbrett. Die Musiker boten ein paar Demo-Songs zum Downloaden an und hatten plötzlich eine interessierte Plattenfirma an der Angel. Es erschien ein grandioses Debütalbum („Kill The Sun“, 2003), dem nur ein Jahr später ein zweiter musikalischer Leckerbissen folgte. Und mit „Ravenheart“, so dessen Titel, werden Xandria mit Sicherheit wieder etliche Begeisterungsstürme ernten. Im Interview gab sich Gitarrist und Songwriter Marco dementsprechend selbstbewusst.

Nord bei Nordost: „2003 sind Xandria mit dem Album „Kill The Sun“ plötzlich wie aus dem Nichts in der Gothic-Musik-Szene aufgetaucht. Kannst du mal kurz eure Vorgeschichte erzählen?“

Marco: „Xandria gibt es seit 2000. Ich hatte schon vorher Songs geschrieben und wollte die in einer eigenen Band Wirklichkeit werden lassen. Die Leute dafür habe ich in meiner Heimatstadt Bielefeld gesucht. Ende 2000 haben wir unser erstes Demo aufgenommen und einige Songs auf diverse MP3-Websites gestellt. Das waren Sites, auf denen sich Bands präsentieren und ihre Songs zum Download anbieten konnten. Und sofort haben wir ganz viel positives Feedback erhalten. Irgendwann waren da auch Leute von Plattenfirmen dabei und so sind wir 2002 bei dem Label Drakkar gelandet.“

Nord bei Nordost: „War eure musikalische Ausrichtung von vornherein klar?“

Marco: „Ich wusste gleich in welche Richtung es gehen sollte: Gitarrenmusik basierend auf Rock und Metal, sehr atmosphärisch und fantasievoll. Damals war ich sehr geprägt von Bands wie Tiamat oder Paradise Lost. Als Tiamat das Album „Wild Honey“ raus brachten, habe ich selbst zur Gitarre gegriffen und begonnen Songs zu schreiben. Inzwischen sind wir aber unabhängig von diesen Einflüssen geworden.“

Nord bei Nordost: „Heute vergleicht man euch dafür mit Within Temptation…“

Marco: „Das finde ich nicht schlimm. Für den Fan ist das doch als Orientierung nicht schlecht, wenn er einen Kanon aus Bands hat, die alle seiner Stimmung entsprechen. Grundsätzlich hat jede Band aber ihre eigene Herangehensweise an die Musik. Und wir haben bei Vergleichen immer das Gefühl, dass sie uns nicht gerecht werden.“

Nord bei Nordost: „Wie ist denn eure Herangehensweise an die Musik?“

Marco: „Das passiert zwischen Lisa und mir. Für sie als Sängerin ist es wichtig, wenn sie die Texte, die sie singt, selber schreiben kann. Ich arbeite am musikalischen Grundgerüst und schreibe die Songs.“

Nord bei Nordost: „Was ist für einen Xandria-Song unverzichtbar?“

Marco: „Oh, da könnte ich ja jetzt Phrasen dreschen… Ein Song muss fantasievoll sein und Spaß machen. Er muss eine kleine Vision darstellen. Unser neues Album ist sehr von Filmen inspiriert, die wir gesehen haben. „Der Herr der Ringe“ zum Beispiel oder „James Bond“. Und dann haben wir viel live gespielt im letzten Jahr. Diese Erfahrung hat sich auch im Songwriting niedergeschlagen. Denn man denkt beim Komponieren plötzlich darüber nach, ob der Song dann auch Spaß machen würde, wenn man ihn auf der Bühne spielt.“

Nord bei Nordost: „Stichwort „Herr der Ringe“: Einige Songs eures Albums klingen vom Namen her sehr märchenhaft…“

Marco: „Die haben aber fast alle einen anderen Hintergrund. Wir spielen gern mit fantasievollen Bildern. So können ganz alltägliche Geschichten in Märchenform verpackt werden.“

Nord bei Nordost: „Welchen Anteil hatte euer Produzent José Alvarez-Brill (u.a. Produzent von Wolfsheim) am Gesamtwerk „Ravenheart“?“

Marco: „Er hat unsere Ideen perfekt umgesetzt. Songstrukturen und Melodien blieben unangetastet, er setzte sie lediglich in Szene. Obwohl er ja als Wolfsheim-Produzent bekannt geworden ist, hatte er mit unserer Rockmusik keine Probleme. Schließlich ist er auch Gitarrist.“

Nord bei Nordost: „Wie war eure erste große Tour als Support von Tanzwut im vergangenen Jahr?“

Marco: „Das war richtig toll. Die erste Tour vergisst man nie, heißt es. Und unsere wird wirklich unvergessen bleiben. Wir sind in den Städten viel auf die Piste gegangen und haben jede Menge erlebt. Mit Tanzwut hatten wir nicht so viele zu tun. Die blieben eher unter sich. Nur Teufel ist mal mit uns im Bus mitgefahren und hat Storys aus seinem Leben erzählt.“

Nord bei Nordost: „Ich bedanke mich für das Gespräch.“

Xandria (Foto: Drakkar)

Autor: Lars Schmidt

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