SALTATIO MORTIS: Die Dudelsäcke Mannheims

Mittelalter und Moderne miteinander zu verbinden, ist nicht neu. Und so haben sich auch die Mannheimer Spielleute Saltatio Mortis entschieden, neben dem reinen Mittelalterprogramm auch Rock-CDs zu veröffentlichen. Mit „Erwachen“ liegt nun das zweite Rockalbum vor und Nord bei Nordost fühlte Dudelsackspieler und Sänger Falk auf den Zahn, warum das so ist und was den gewissen Unterschied zwischen Beidem für ihn ausmacht.

Nord bei Nordost: „Warum spielen Saltatio Mortis eigentlich sowohl ein Rockprogramm, als auch ein rein mittelalterliches?“

Falk: „Wir haben als eine Band angefangen, die auf Mittelaltermärkten Musik gemacht hat. Jeder von uns war schon Musiker aus Passion und Leidenschaft, bevor wir begannen, uns mit dem Mittelalter auseinanderzusetzen. Aber die Moderne muss irgendwann auch rausgelassen werden. Und bevor jeder sein eigenes Projekt anfängt, haben wir lieber was zusammengemacht. Unsere CD „Das zweite Gesicht“ war der erste Ausdruck dessen. So richtig rockig wurden wir aber erst durch ein intensives Tourjahr 2003 zusammen mit Subway To Sally. Das hat unsere Produktion der neuen Scheibe sehr geprägt.“

Nord bei Nordost: „Ist es denn etwas völlig anderes als Rockband von Club zu Club zu touren, denn als Spielleute von Mittelaltermarkt zu Mittelaltermarkt zu ziehen.“

Falk: „Oh ja. Das ist ein gewaltiger Unterschied. Beim Mittelalterprogramm ziehst du einfach umher, schlägst deine Zelte auf und bist als Band für dich allein. Wir haben da bis zu zehn Auftritte pro Tag. Im Rockzirkus geht das nicht. Da absolvieren wir zwar nur einen Auftritt, brauchen aber Techniker und betreiben einen Aufwand der größer ist, als bei Mittelalterveranstaltungen. Auch das Gefühl auf der Bühne ist völlig unterschiedlich. Bei Märkten stehen die Leute unmittelbar vor uns, da kann ich sie direkt ansprechen. Man spürt, ja man riecht die Leute förmlich. Bei einer Rockbühne mit Sicherheitsgraben ist das nicht mehr so.“

Nord bei Nordost: „Wie streng trennt ihr beides voneinander?“

Falk: „Ganz einfach: Wenn wir E-Gitarren dabei haben, wird gerockt. Greifen wir alle zu Dudelsäcken und Trommeln, spielen wir Mittelalter…“

Nord bei Nordost: „Aber beim Rockprogramm sind auch Dudelsäcke dabei…“

Falk: „Ja klar. Wir wollten aber aus unserem neuen Album „Erwachen“ keine mittelalterliche Rockscheibe machen. Wir wollten keine alten Stücke oder alten Texte verrocken. Wir wollten eigene Lieder mit eigenen Texten machen, dabei aber klassische Instrumente einsetzen, als ob die ganz natürlich zur Rockmusik dazugehören. Die Dudelsäcke werden nicht wie ein typischer Dudelsack eingesetzt, sondern erfüllen oft den Part von Gitarren. Und die Drehleier übernimmt oftmals den Part von Keyboards.“

Nord bei Nordost: „Ist ein schwierig oder gar stressig für euch, beide Programme zeitlich unter einen Hut zu bringen?“

Falk: „Es ist Spaß. Wir haben alle den Schritt ins Musikerdasein gewagt. Als Hobby wäre das natürlich nicht zu meistern. Saltatio Mortis ist unsere Arbeit und unser Leben. Da stecken wir alle unsere Energien rein. Deswegen fällt es gar nicht so auf, dass wir jetzt deutlich mehr zu tun haben.“

Nord bei Nordost: „Worin seht ihr immer wieder aufs Neue die Faszination Mittelalter?“

Falk: „Für mich ist das Thema schon seit gut 25 Jahren aktuell. Und jedes Jahr am Ende der Saison kommen die großen Unken aus den Teichen hervor und orakeln, dass sich im nächsten Jahr keiner mehr für’s Mittelalter interessiert. Dabei wird es dann nur noch größer und stärker. Ein Grund für die Faszination ist der, dass sich gute Musik einfach hält. Wenn es eine Melodie geschafft hat, sich 800 Jahre oder länger in den Herzen und Köpfen der Menschen festzusetzen, dann muss man die immer wieder spielen.“

Nord bei Nordost: „Sind andere Bands aus der Mittelalter-Szene für euch eher Konkurrenten oder Freunde?“

Falk: „Konkurrenz verdirbt die Freude an der Musik. Subway To Sally sind auf der gemeinsamen Tour zu wirklich guten Freunden geworden. Und so ist es mit jedem, der einem die Chance gibt, ihn kennen zu lernen. Das ist die menschliche Seite. Auf der musikalischen zählt für mich nur die Gunst des Publikums.“

Nord bei Nordost: „Eure Texte drehen sich alle um das Thema Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung. Ist das der rote Faden, der sich durch’s ganze Album zieht?“

Falk: „Das Album heißt ja nicht umsonst „Erwachen“. Es geht um das Erwachen vom Jugendlichen zum Erwachsenen, um das Erwachen des eigenen Willens und reifender Erkenntnisse. Für uns persönlich bedeutet dieses Erwachen, dass wir jetzt den Weg, nur noch Musiker zu sein, gehen. Vor dieser Entscheidung standen viele Überlegungen, z.B. so profane Sachen wie die Frage, was wird jetzt aus meiner Krankenversicherung oder habe ich jeden Monat genug Geld zum Leben. Das war für uns ein Prozess der Selbstfindung und Selbstverwirklichung.“

Nord bei Nordost: „Und, habt ihr jeden Monat genug Geld für Miete und Essen?“

Falk: „Des Musikers Leben ist ein hartes Brot. Aber er findet dann und wann ein weiches Bett. Es gibt aber hin und wieder noch Wochen, wo man einen Aushilfsjob annehmen muss.“

Nord bei Nordost: „Wie sieht es bei Spielleuten wie euch neben dem Gesang eigentlich mit Wein und Weib aus?“

Falk: „Da kann ich dir nur empfehlen, uns bei einem Konzert zu besuchen und Teil dieser Geschichten zu werden…“

Nord bei Nordost: „Wird gemacht. Vielen Dank für das Gespräch.“

Saltatio Mortis (Foto: Napalm Records)

Autor: Lars Schmidt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.