Qntal

QNTAL: Lieder über Tristan und Isolde

Qntal – das waren einst Sängerin Sigrid Hausen sowie die Musiker Michael Popp und Ernst Horn, die ihrer Passion für mittelalterliche Musik mit diesem Projekt ein Forum gaben. Zwei Alben erschienen (1992 und 1995) und schnell fand sich eine große Fangemeinde. Eine viel bejubelte Tour zusammen mit Deine Lakaien machte den Namen endgültig zu einem Markenzeichen.

Doch dann wurde es ruhig. Sigrid und Michael widmeten sich ihrem Ensemble Estampie. Ernst Horn hatte mit Deine Lakaien genug zu tun und verließ letztlich Qntal, um mit Helium Vola eine Art Konkurrenz-Projekt zu gründen. Qntal stand kurz vor dem Aus.

Doch mit Phillip Groth ist dort nun ein neuer Mann an Bord, der für hörbar frischen Wind sorgt. Mit dem schlicht betitelten Album „III“ ist jetzt endlich auch eine neue Platte auf dem Markt. Und was für eine! gothmund sprach mit Michael Popp, dem Spezialisten für mittelalterliche Instrumente jeglicher Art.

Nord bei Nordost: „Qntal haben mit Phillip Groth einen neuen Musiker in ihren Reihen. Kannst du ihn mal näher vorstellen?“

Michael: „Es war sehr schwierig, jemanden zu finden, der vollständig in die Materie von Qntal eintauchen kann. Unsere Label-Chefin hat mich mit Phil bekannt gemacht, als wir gerade das letzte Estampie-Album fertig gestellt hatten. Ich gab ihm dann ein paar Entwürfe zu neuen Qntal-Songs, die ich schon vorbereitet hatte. Er sollte da einfach was draus machen. Phil hatte vorher unter anderem mit In Extremo zusammengearbeitet und er nahm unsere Musik sofort so wahr, wie auch ich sie wahrnehme. Und daraus entwickelte sich schnell eine fruchtbare Zusammenarbeit, musikalisch und menschlich. Das war sehr angenehm. Außerdem brachte er einen frischen Wind mit, was man der Musik anhört.“

Nord bei Nordost: „Ist Qntal durch Phil von einer Art Projekt zur Band geworden?“

Michael: „Ja. Auch wenn wir nicht im herkömmlichen Sinn wie eine Band funktionieren. Aber von der Einstellung her sind wir jetzt eine.“

Nord bei Nordost: „Ihr habt auf eurem Album Geschichten aus „Tristan und Isolde“ verarbeitet. Was fasziniert euch an diesem Werk?“

Michael: „Für eine Band, die sich mit dem Mittelalter beschäftigt, ist das ein ganz wichtiges Thema. Es ist eine sehr spannende Geschichte. Sie ist toll geschrieben, modern und auch heute noch aktuell. Die Reclam-Ausgabe kann ich nur empfehlen! „Tristan und Isolde“ ist die ideale Geschichte, um Spannungen und inhaltliche Tiefe zu erzeugen. Sigrid hat uns von dieser Idee so begeistert, dass wir sie uns während der Arbeit immer wieder vor Augen gehalten haben. Sie hat uns die Stimmungen bestimmter Situationen geschildert und wir haben die Musik darauf zugeschnitten.“

Nord bei Nordost: „Handeln alle Lieder von „Tristan und Isolde“?“

Michael: „Ja. Aber wir haben nicht nur Original-Texte genommen. Denn vieles haben wir eher als Traum- oder Filmmusik betrachtet. Es ging uns auch darum, Assoziationen zu wecken.“

Nord bei Nordost: „Wenn das Thema so interessant ist, warum hat sich dessen bisher kaum jemand angenommen?“

Michael: „Seit den Wagnerschen Ergüssen wurde die Geschichte recht stiefmütterlich behandelt. Durch ihn wurde das Stück ideologisiert und war nur mit Vorsicht zu genießen. Selbst im Theater kommt es nicht vor. Obwohl es genau der richtige Theaterstoff ist, so voller Dramatik. Es ist die Verdichtung vieler Geschichten. Du findest in „Tristan und Isolde“ alles, was die heutige Literatur ausmacht.“

Nord bei Nordost: „Wie sieht denn die Arbeitsteilung bei Qntal aus?“

Michael: „Die Textauswahl übernimmt Sigrid. Komponieren ist meine Aufgabe. Phil überlegt sich auf dieser Grundlage eine Art Layout. Dann fahre ich nach Berlin zu Phil ins Studio, wo die Titel den ersten Schliff erhalten. Und danach kommt Sigrid und singt.“

Nord bei Nordost: „Da Sigrid alle Lieder singt, muss sie das bei der Textauswahl beachten?“

Michael: „Sigrid rückt immer mehr davon ab zu sagen, ich bin eine Frau, also singe ich nur Frauenrollen. Sie kann genauso als Erzähler auftreten. Es ist aber auch so, dass die meisten Texte aus der Frauenperspektive stammen. Wahrscheinlich hat sie da den besseren Zugang.“

Nord bei Nordost: „In welchen Sprachen werden die Lieder gesungen?“

Michael: „Mittelhochdeutsch, Lateinisch, Altenglisch, Altfranzösisch, Altportugiesisch – ich glaub das war’s dann schon…“

Nord bei Nordost: „…ich finde das absolut faszinierend…“

Michael: „…das gehört durch unsere Estampie-Arbeit zum Handwerk. Viele Lieder wiederholen sich ja. Die Troubadour-Lieder sind in Provenzialisch, die Cantigas sind spanisch, die Minnelieder sind mittelhochdeutsch. Das hat man irgendwann einfach drauf. Wir sind aber auch alle recht bewandert, was Fremdsprachen angeht. Ich kann Italienisch und Spanisch ganz gut – das hilft mir beim Verstehen der romanischen Sprachen. Man kriegt halt Routine.“

Nord bei Nordost: „Eure Songs sind alle sehr lang. Hattet ihr so viele Ideen? Oder ward ihr selbst so begeistert, dass ihr nicht mehr aufhören konntet?“

Michael: „Das ist ein Ausdruck von der Weite, die in unserer Musik drinsteckt. Aus Kompatibilitätsgründen hätte man einiges vielleicht kürzen sollen. Aber die Musik ist eben etwas Besonderes. Und wenn ein Lied sehr episch angelegt ist, dann muss es diese Weite einfach haben.“

Nord bei Nordost: „Warum wurde gerade der Titel „Entre Moi Et Mon Amin“ als Single ausgewählt?“

Michael: „Das war die Plattenfirma. Die hat den Song an die DJs rausgeschickt. Als wir das erfuhren, sagten wir: „Spinnt ihr? Das ist doch gar kein Tanzlied!“ (lacht) Aber bei Qntal muss man immer etwas gegen den Strich denken. Und ich wahr ja auch froh, dass Doro (Qntals Label-Chefin, Anm. d. Red.), die Auswahl übernommen hat.“

Nord bei Nordost: „Hat euch der Erfolg der Single dann um so mehr überrascht? Ihr seid Platz drei in den Alternative-Charts.“

Michael: „Ich weiß von dem Erfolg noch gar nichts. In der Materie stecke ich überhaupt nicht drin. Ich sitze hier in München und arbeite schon am nächsten Estampie-Album. Aus der Promotion und dem Verkauf halte ich mich raus. Aber ich bin natürlich froh darüber, dass es den Leuten gefällt.“

Nord bei Nordost: „Ihr werdet ja auf Tour gehen und spätestens dann wirst du mitbekommen, wie gut eure Musik ankommt…“

Michael: „Dass ist sowieso das Entscheidende. Nicht der Weg über die Ladentheke, sondern über die Konzerte ist wichtig. Dort spürt man, dass etwas rüberkommt.“

Nord bei Nordost: „Wie wird eure Live-Programm aussehen?“

Michael: „Wir werden alles so, wie es auf der Platte ist, spielen. Nur viel virtuoser. Natürlich muss ich die meisten Instrumente live spielen, weil wir nur zu dritt sein werden. Es sind kleinere bis mittlere Club-Konzerte geplant.“

Nord bei Nordost: „Das heißt, du wirst nach jedem Song das Instrument wechseln müssen?“

Michael: „Das muss ich manchmal sogar im Song. Ich bin gerade dabei, mich um diesen Ablauf zu kümmern. Aber ich mache so was ja gerne. Früher bei den Lakaien war das ja auch schon so. Es kommt eben auf das Timing an. Zum Glück spielt Phil Gitarre. Da kann er mich entlasten.“

Nord bei Nordost: „Also ist die Vorbereitung nicht nur auf’s Proben beschränkt, sondern auch eine logistische Herausforderung?“

Michael: „Ja. Bei einem Song singe ich den Background, spiele aber gleichzeitig Fidel. Dazu brauche ich ein Extra-Mikrofon. Das sind so Feinheiten, die bedacht und organisiert sein wollen. Aber die Stücke werden live richtig gut kommen. Die sind so opulent, die wirken erst mit einer großen Anlage.“

Nord bei Nordost: „Vielen Dank für das Interview.“

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Autor: Lars Schmidt

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